Bei einer akuten Pankreatitis ist bereits eine leichte Form der Fettleibigkeit mit einer mehr als doppelt so hohen Chance auf eine schwere Funktionsstörung lebenswichtiger Organe verbunden. Das zeigt eine internationale Studie von Forschenden der Semmelweis Universität, die Daten von mehr als 2200 Patienten ausgewertet haben. Die in der Fachzeitschrift Pancreatology veröffentlichten Ergebnisse zeigen zudem, dass Menschen mit Fettleibigkeit im Vergleich zu Normalgewichtigen eine mehr als dreimal so hohe Chance auf einen schweren Verlauf der Erkrankung haben können. Die Forschenden betonen deshalb, dass bereits eine schrittweise oder geringe Gewichtsabnahme dazu beitragen könnte, das Risiko schwerer Komplikationen zu senken.

Forschende der Semmelweis Universität analysierten Daten von 2244 Patienten mit akuter Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) aus 29 medizinischen Zentren in 13 Ländern. Anhand von Gewicht und Größe der Patienten berechneten die Forschenden deren Body-Mass-Index (BMI) und teilten sie entsprechend in verschiedene Gruppen ein. Das Forschungsteam untersuchte anschließend, wie die Krankheit bei Normalgewicht, Übergewicht und verschiedenen Graden der Fettleibigkeit (Adipositas) verlief und wie häufig schwere Komplikationen auftraten.

Nach der international anerkannten Body-Mass-Index-Klassifizierung liegt die Obergrenze des Normalgewichts für eine 180 Zentimeter große Person bei etwa 81 Kilogramm, während eine leichte Fettleibigkeit bei 97,2 Kilogramm beginnt. Laut der Studie war das Risiko für ein Organversagen – also eine schwere Funktionsstörung lebenswichtiger Organe wie der Nieren, der Lunge oder des Herzens – bereits in dieser Kategorie mehr als doppelt so hoch wie bei normalgewichtigen Patienten. Je höher der Grad der Fettleibigkeit war, desto größer war dieses Risiko. Darüber hinaus war bei Menschen mit Fettleibigkeit das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf deutlich höher als bei Menschen mit Normagewicht.

Was ist akute Pankreatitis?

Eine akute Pankreatitis tritt auf, wenn Verdauungsenzyme, anstatt ihre Wirkung im Dünndarm zu entfalten, vorzeitig in der Bauchspeicheldrüse aktiviert werden und deren Gewebe schädigen, was zu einer Entzündung führt. Die Krankheit wird am häufigsten durch Gallensteine oder übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst. Diese plötzlich auftretende Erkrankung, die typischerweise mit starken Bauchschmerzen einhergeht, betrifft in Ungarn jährlich etwa 5000 Menschen. Obwohl die Krankheit in 70 Prozent der Fälle einen mild verläuft, kann die Sterblichkeitsrate in schweren Fällen bis zu 30 Prozent erreichen.

„Auch Menschen mit Übergewicht haben selbst ohne Beschwerden eine anhaltende, leichte Entzündung im Körper. Wenn dann eine unerwartete Krankheit auftritt, kann ihr Immunsystem übermäßig stark reagieren, was ihre Prognose verschlechtern kann.“, erklärte Andrea Szentesi, die Erstautorin der Studie, PhD-Betreuerin am Doktorandenkolleg der Semmelweis Universität und Forscherin an der Universität Pécs, bezüglich einer möglichen Ursache für den Schweregrad der Erkrankung.

Die Expertin fügte hinzu, dass die Heilungschancen durch weitere mit Übergewicht verbundene Begleiterkrankungen – wie etwa Kreislauferkrankungen – und durch körperliche Probleme, die aus schwerer Fettleibigkeit resultieren, wie Atemnot, weiter sinken könnten. Sie hob hervor, dass die Überwindung jener Faktoren, die zu einem schwereren Krankheitsverlauf beitragen, wie Fettleibigkeit oder übermäßiger Alkoholkonsum, auch die Umstellung auf einen gesundheitsbewussten Lebensstil erfordern könnte. Allerdings fällt es vielen Patienten äußerst schwer, Gewicht zu verlieren.

„Die vielleicht wichtigste Botschaft für Patienten ist, dass Fettleibigkeit nicht nur langfristig gesundheitliche Folgen haben kann, sondern auch den Verlauf einer plötzlich auftretenden akuten Erkrankung verschlechtern kann. Deshalb könnte bereits eine schrittweise oder geringe Gewichtsabnahme helfen“, sagte Dr. Péter Hegyi, der Letztautor der Studie und Direktor des Instituts für Pankreaserkrankungen sowie des Zentrums für Translationale Medizin an der Semmelweis Universität.

Die Forschenden weisen zudem auf die Bedeutung von Nachuntersuchungen nach der Krankenhausbehandlung hin. Da die Entzündung später zu Diabetes oder Verdauungsproblemen führen kann, spielt die koordinierte Zusammenarbeit von Fachkräften – darunter Ärzte, Ernährungsberater und Psychologen – eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Behandlung dieser Komplikationen.

Die Untersuchungen beschränken sich jedoch nicht auf die Analyse des Grades der Fettleibigkeit. In einer laufenden Studie untersuchen die Forschenden bereits, wie andere Lebensstilfaktoren – wie Schlafqualität, Stress, Ernährung oder körperliche Aktivität – den Ausgang einer akuten Pankreatitis beeinflussen könnten.

Bálint Győrfi, Róbert Cseszregi
Foto: Boglárka Zellei – Semmelweis Universität
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