Vor der offiziellen Eröffnung des Symposiums erwarb Dr. Bálint Barta, Kliniker an der Semmelweis Universität, als erster in der Geschichte des Instituts einen Doktorgrad im Rahmen des gemeinsamen PhD-Programms der Universitäten Freiburg und Semmelweis. Die mehrjährige Forschungsarbeit wurde unter der gemeinsamen Betreuung von Dr. Tamás Radovits und Dr. Oliver Schilling durchgeführt. Das zusammen mit der deutschen Partnerinstitution betreute Programm bietet den Studierenden der Semmelweis Universität neue Möglichkeiten, deren Umsetzung auch durch das Harry-Jellinek-Stipendienprogramm unterstützt wird. In seinem Vortrag stellte Dr. Bálint Barta die Ergebnisse seiner Forschung vor, in der die unterschiedliche Anpassung des weiblichen und männlichen Herzens bei verschiedenen Herzmuskelschädigungen und anhaltender Belastung untersucht wurde. Seine Tierversuche und proteomischen Untersuchungen zeigten, dass die Herzen beider Geschlechter sowohl auf molekularer als auch auf funktioneller Ebene unterschiedlich auf Belastung reagieren, was zu einem besseren Verständnis der Unterschiede in ihrer Regenerationsfähigkeit beitragen kann.
Das Symposium wurde von der Rektorin der gastgebenden Universität Freiburg, Dr. Kerstin Krieglstein, sowie dem Dekan der Medizinischen Fakultät, Dr. Lutz Hein, eröffnet. Die Rektorin hob die Rolle des ehemaligen Dekans, Dr. Norbert Südkamp, in der seit Jahren bestehenden Zusammenarbeit sowie die positiven Erfahrungen beim Trilateralen Symposium 2017 in Budapest hervor, an dem sie als damalige Freiburger Dekanin teilgenommen hatte. Anschließend hielt Dr. Béla Merkely, Rektor der Semmelweis Universität, eine Begrüßungsrede. Er unterstrich die Bedeutung der 1983 begonnenen Zusammenarbeit der drei Universitäten, zu der neben den alle zwei Jahre stattfindenden Symposien auch die gemeinsamen Forschungsaufenthalte der Harry-Jellinek-Stipendiaten – jeweils 10 Monate in Heidelberg oder Freiburg – maßgeblich beigetragen hatten. In den vergangenen mehr als 40 Jahren haben über 150 Studierende die Forschungsaufenthalte absolviert.
Im Anschluss an die Begrüßungsreden begann das wissenschaftliche Programm, in dessen Rahmen junge und erfahrene Forscher der drei Universitäten in den verschiedenen Fachsektionen über ihre wissenschaftlichen Ergebnisse berichteten. In der Sektion für Kardiologie und Bildgebung präsentierte Dr. Béla Merkely die Erfolge der Resynchronisationstherapie (BUD-CRT-Studie), die bei Herzinsuffizienz eingesetzt und weiterentwickelt wurde, im Rahmen einer unter der Leitung der Városmajor Klinik für Herz- und Gefäßmedizin organisierten internationalen Studie. Der Vortrag von Dr. Martin Czerny befasste sich mit der Rolle von Biomarkern in der personalisierten Medizin im Bereich der Uro-Onkologie. Die urologische Sektion wurde mit den Vorträgen von Dr. Péter Nyirády, Dekan der Fakultät für Medizin (ÁOK), und Dr. Christian Gratzke fortgesetzt; anschließend folgten die Präsentationen der Jellinek-Stipendiaten sowie der jungen Fachkräfte der drei Einrichtungen, an denen Dr. Katalin Maricza, Kristóf Kárpáti, Dr. Bálint Barta, Hunor László sowie – seitens der Universität Heidelberg – Dr. Bettina Budai teilnahmen. Der erste Tag des Symposiums endete mit den mit großem Interesse verfolgten Vorträgen der Sektion „Precision Medicine across Disciplines“ (Disziplinübergreifende Präzisionsmedizin), an deren Ende – wie auch bei den vorangegangenen Sektionen – die Beantwortung von Fragen aus dem Publikum folgte.
Am zweiten Tag des Symposiums stellte Dr. Béla Merkely die mehr als 250-jährige Geschichte der Semmelweis Universität sowie ihre herausragenden Erfolge in der vergangenen Zeit vor. Zu den bedeutendsten Ereignissen der jüngsten Vergangenheit gehörte die Übergabe des Anatomie- und Innovationszentrums für Bildung und Forschung (NOIKK), das wesentlich zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen den Universitäten und zur Erweiterung der Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte beitragen kann.
Nach dem Einführungsvortrag folgten erneut die Fachsektionen. In der Sektion „State of Field“ (Aktueller Stand des Fachgebiets) sprach Dr. Péter Ferdinandy, Vizerektor für Wissenschaft und Innovation an der Semmelweis Universität, über die Rolle der komplexen Analyse von Genexpressionsprofilen, wobei er insbesondere auf die Untersuchung der Expressionsmuster von Mikro-RNAs und die darauf basierenden, patentierten Therapiemöglichkeiten einging. Im Block „Translational Oncology from Pathology and to Surgery“ (Translationale Onkologie – von der Pathologie bis zur Chirurgie) hielt Dr. Gábor Lotz einen Vortrag über die Untersuchungsmöglichkeiten der Mikrosatelliteninstabilität sowie über die Sensitivität und Spezifität dieser molekularpathologischen Methoden. Ihm folgten Peter Bronsert und Andreas Weber-Steinhilber von der Universität Freiburg sowie Ihor Arkhipov von der Universität Heidelberg, der über die fortgesetzte gemeinsame Nutzung und die Möglichkeiten einer kooperativen Weiterentwicklung einer Anwendung durch das Institut für Pathologie, Rechts- und Versicherungsmedizin (PIBOI) der Semmelweis Universität und das Pathologische Institut der Universität Heidelberg sprach. Diese Anwendung für die digitale Pathologie, die sich für die Darmkrebsvorsorge eignet, wurde von PIBOI entwickelt.
Zum Abschluss des Trilateralen Symposiums fand unter Beteiligung der Leiter der drei Einrichtungen ein gemeinsames Gespräch und eine Abstimmung über die künftigen Ausrichtungen ihrer Zusammenarbeit, die gemeinsamen Ziele und die Ausweitung der Kooperationsbereiche statt. Neben den Kooperationen im Rahmen des NOIKK, den Bildungszusammenarbeiten und gemeinsamen Universitätskursen wurden auch weitere Themen angesprochen, wie beispielsweise „Multiorgan AI-Development“ (Entwicklung künstlicher Intelligenz für mehrere Organe), d. h. eine in Kürze beginnende Zusammenarbeit im Bereich der Bildgebung, an der alle drei Institutionen beteiligt sind. Dr. András Kiss stellte als Beauftragter des Rektors die Ziele des NOIKK vor: die Ausbildung der Studierenden im grundständigen Studium, die Entwicklung praktischer Fähigkeiten bei der Ausbildung von Assistenzärzten und Assistenzärztinnen, medizintechnische Innovationen, die den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden, sowie die Vertiefung ihrer praktischen Anwendung. Letzteres bedeutet in erster Linie die Fortbildung von Fachärzten in den Bereichen Chirurgie und interventionelle Medizin, die im Klinikum zum Tragen kommen wird.
„Die junge Generation bestimmt die Zukunft“, sagte Dr. Péter Nyirády. Den Rahmen und die Grundlage für die Zusammenarbeit der Forschungsgruppen bildet die trilaterale, universitätsübergreifende Partnerschaft, deren Erfolg sich in den vergangenen mehr als 40 Jahren bewährt hat.
Das Treffen bot die Gelegenheit, die bisherige Kooperation auch in den kommenden Jahren mit ähnlicher Intensität fortzusetzen. In zwei Jahren treffen sich die Vertreter der drei Universitäten in Budapest.
Judit Szlovák
Übersetzung: Dr. Balázs Csizmadia
Foto: Judit Szlovák – Semmelweis Universität, Direktorat für Internationale Beziehungen und Alumni-Angelegenheiten