Natürliche Pflanzenstoffe, sogenannte Polyphenole, die unter anderem in Beeren, grünem Tee, Kakao, Kaffee und nativem Olivenöl extra vorkommen, könnten biologische Prozesse positiv beeinflussen, die mit Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen zusammenhängen. Darauf weist eine Übersichtsarbeit von Forschenden der Semmelweis Universität hin. Die im Fachjournal Nutrients veröffentlichte Analyse legt nahe, dass diese bioaktiven Verbindungen zu einem gesunden Altern des Gehirns beitragen können.

Für ihre Arbeit werteten die Forschenden Hunderte von Labor-, Tier-, Bevölkerungs- und klinischen Studien aus. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Polyphenole durch ihre antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften die Funktion von Nervenzellen unterstützen und schädliche Prozesse im alternden Gehirn abschwächen können.

Die verborgenen Wirkstoffe der Natur
Bioaktive Verbindungen, darunter Polyphenole, sind natürliche Stoffe, die in Pflanzen, Tieren oder Mikroorganismen vorkommen. Sie gehören zwar nicht zu den lebensnotwendigen Nährstoffen wie Vitaminen oder Mineralstoffen, können durch ihre biologische Aktivität jedoch normale Körperfunktionen unterstützen und zur Gesundheit beitragen.

Im Mittelpunkt der Analyse standen die mediterrane Ernährung sowie die daraus entwickelte MIND-Diät. Die mediterrane Ernährung umfasst vor allem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Fisch und Olivenöl. Die MIND-Diät wurde speziell entwickelt, um die Gesundheit des Gehirns zu fördern. Sie setzt auf grünes Blattgemüse und Beeren und empfiehlt, den Verzehr von rotem Fleisch, Butter, Käse, Süßigkeiten sowie frittierten Speisen und Fast Food einzuschränken.

Besonders häufig standen EGCG, eines der wichtigsten Antioxidantien im grünen Tee, die Farbstoffe von Beeren, Flavanole aus Kakao sowie Curcumin, der gelbe Pflanzenstoff aus Kurkuma, im Mittelpunkt der ausgewerteten Studien. Diese Verbindungen kommen typischerweise in pflanzlichen Lebensmitteln vor, die Bestandteil der mediterranen Ernährung sind.

„Polyphenole sind keine Wundermittel. Die bisherigen Forschungsergebnisse sprechen jedoch dafür, dass sie das gesunde Altern des Gehirns unterstützen könnten. Entscheidend sind allerdings keine Nahrungsergänzungsmittel, sondern eine abwechslungsreiche Ernährung mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln“, sagte Dr. Mónika Fekete, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Präventivmedizin und Public Health der Semmelweis Universität und Letztautorin der Studie.

Ein großer Teil der Polyphenole wird nicht direkt vom Körper aufgenommen. Stattdessen werden sie von Darmbakterien in andere Verbindungen umgewandelt, die Entzündungsprozesse, den Energiestoffwechsel der Zellen und damit auch die Funktion des Nervensystems beeinflussen können. Da sich die Zusammensetzung des Darmmikrobioms von Mensch zu Mensch deutlich unterscheidet, können dieselben Lebensmittel bei verschiedenen Personen unterschiedlich wirken.

„Das könnte erklären, warum dieselbe Ernährungsweise nicht bei allen Menschen den gleichen Effekt hat. Künftig könnte die personalisierte Ernährung dazu beitragen, besser zu verstehen, wer besonders von einer polyphenolreichen Ernährung profitieren könnte“, erklärte Dr. Noémi Mózes, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Präventivmedizin und Public Health der Semmelweis Universität und Erstautorin der Studie.

Die Forschenden betonen zugleich, dass die bisherigen Ergebnisse aus Humanstudien noch nicht ausreichen, um einzelne Lebensmittel oder Nährstoffe als eigenständige Maßnahme zur Vorbeugung von Demenz zu empfehlen.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben weltweit mehr als 55 Millionen Menschen mit Demenz. Diese Zahl dürfte in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen. Deshalb richtet sich zunehmend Aufmerksamkeit auf Lebensstilfaktoren – darunter auch die Ernährung –, die dazu beitragen können, die Gesundheit des Gehirns zu erhalten und das Risiko eines kognitiven Abbaus zu verringern.

Nach Einschätzung der Autoren kommt es für ein gesundes Altern des Gehirns nicht auf ein einzelnes „Superfood“ an, sondern auf die Ernährungsgewohnheiten insgesamt. Eine Wunderdiät gegen Alzheimer gibt es derzeit nicht. Die bisherigen Erkenntnisse sprechen jedoch dafür, dass eine Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Beeren, ballaststoffreichen Lebensmitteln, Fisch und Nüssen sowie wenig hochverarbeiteten Lebensmitteln dazu beitragen kann, die Gesundheit des Gehirns langfristig zu erhalten und die kognitiven Fähigkeiten zu bewahren. 

Robert Cseszregi 
Foto: Bálint Barta/Semmelweis Universität und dr. Noémi Mózes 
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