An der Untersuchung nahmen 41 Fachärzte aus drei führenden Wirbelsäulenzentren Ungarns teil. Mithilfe von Fragebögen bewerteten sie den Nutzen lebensgroßer, auf CT-Aufnahmen basierender 3D-Modelle im Vergleich zu herkömmlichen bildgebenden Verfahren wie Röntgen, CT und MRT.
Den größten Nutzen sahen sie bei der Operationsplanung und der Patientenaufklärung, insbesondere dann, wenn Fehlbildungen der Wirbelsäule oder frühere Eingriffe – etwa eingesetzte Metallimplantate – die anatomischen Verhältnisse schwer nachvollziehbar machten.
Ein wesentlicher Vorteil der 3D-Modelle besteht darin, dass Chirurgen nicht nur Bilder auf einem Bildschirm sehen, sondern ein greifbares Modell der Wirbelsäule untersuchen können. Dadurch lässt sich die Anatomie aus allen Blickwinkeln betrachten, was das Verständnis individueller anatomischer Besonderheiten und komplexer Fälle erleichtert.
„Bei sehr individuellen anatomischen Gegebenheiten bedeutet jeder einzelne Fall für den Chirurgen einen neuen Lernprozess. Er kann sich nicht allein auf allgemeine anatomische Vorkenntnisse verlassen. In solchen Situationen ist es besonders hilfreich, die Wirbelsäule nicht nur zweidimensional zu sehen, sondern sie vor der Operation in die Hand nehmen, drehen und ertasten zu können. An den Modellen lassen sich sogar Probeeingriffe durchführen und verschiedene operative Techniken testen, etwa durch Bohrungen in das Modell“, erklärte Dr. Péter Éltes, Betreuer an der Doktorandenschule der Semmelweis Universität, Letztautor der Studie und Wirbelsäulenchirurg am Nationalen Zentrum für Wirbelsäulenerkrankungen.

Damit 3D-gedruckte Wirbelsäulenmodelle im klinischen Alltag für Operationen eingesetzt werden können, müssen strenge Qualitäts- und Zulassungsanforderungen erfüllt werden. Deshalb werden sie derzeit hauptsächlich für Forschungs- und Ausbildungszwecke hergestellt. Nach Ansicht der Experten könnte die Technologie künftig jedoch auch in der Patientenkommunikation eine wichtige Rolle spielen. Mithilfe eines greifbaren Modells können Patientinnen, Patienten und ihre Angehörigen besser nachvollziehen, wodurch die Beschwerden verursacht werden und welche Behandlung geplant ist.
„Man kann sagen, dass Patientinnen und Patienten ihre eigene Wirbelsäule – oder die ihres Kindes mit einer komplexen angeborenen Fehlbildung – buchstäblich in die Hand nehmen können. Der Arzt kann den geplanten Eingriff dann anhand des Modells detailliert erklären. Das ist ein großer Fortschritt gegenüber CT- oder MRT-Aufnahmen, bei denen wir nur zweidimensionale Schnittbilder zeigen können. Für medizinische Laien ist es oft nicht einfach, solche Veränderungen und Eingriffe zu verstehen“, betonte Benjamin Hajnal, Doktorand an der Doktorandenschule der Semmelweis Universität und Erstautor der Studie.
Ein weiteres interessantes Ergebnis der Studie war, dass die Einschätzung der 3D-Modelle kaum von der Berufserfahrung oder dem Fachgebiet der Teilnehmenden beeinflusst wurde. Selbst Wirbelsäulenchirurgen mit jahrzehntelanger Erfahrung bewerteten die Modelle ebenso positiv wie jüngere Kolleginnen und Kollegen. Darüber hinaus hatten rund 80 Prozent der Befragten zuvor noch nie ein 3D-gedrucktes anatomisches Modell in der klinischen Praxis verwendet. Dies deutet darauf hin, dass die Technologie künftig in der Vorbereitung komplexer Wirbelsäulenoperationen breiter eingesetzt werden könnte.
Ádám Farkas
Foto: Boglárka Zellei – Semmelweis Universität