Nach Ansicht von Forschern der Semmelweis Universität können nicht nur Entzündungen, sondern auch Schlafstörungen, Depressionen, Fettleibigkeit und Rauchen hartnäckige rheumatische Beschwerden aufrechterhalten. In ihren Veröffentlichungen in den Fachzeitschriften Nature Reviews Rheumatology und The Lancet Rheumatology stellten sie zudem ein Modell vor, mit dem die eigentlichen Ursachen der Beschwerden frühzeitig erkannt und behandelt werden können.

Die Forscher der Semmelweis University untersuchten, wie Depressionen, Rauchen, Fettleibigkeit, Schlafstörungen und andere gesundheitliche Faktoren mit schwer behandelbarer rheumatoider Arthritis zusammenhängen.

Rheumatoide Arthritis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Gelenke angreift und Schmerzen, Schwellungen sowie Steifheit verursacht. Auch in Ungarn sind Zehntausende Menschen betroffen. Die Mehrheit der Patienten spricht gut auf die Behandlung an, jedoch gehören 6–28 Prozent zur sogenannten „schwer behandelbaren“ Gruppe, da sie trotz Therapie keine dauerhafte Beschwerdefreiheit erreichen.

Laut den Veröffentlichungen in Nature Reviews Rheumatology und The Lancet Rheumatology können diese Faktoren nicht nur mit der Krankheit einhergehen, sondern sie auch aufrechterhalten.

Schmerzen und Depressionen können beispielsweise zu weniger Bewegung führen, das Körpergewicht erhöhen sowie Schlaf und Stimmung verschlechtern – all dies wirkt sich wiederum auf Schmerzen und den Alltag der Betroffenen aus und schafft einen schwer zu durchbrechenden „Teufelskreis“.

Die Forscher erkannten nicht nur diese Muster, sondern entwickelten auch ein neues Modell, mit dem solche schwer behandelbaren Patienten erfolgreicher behandelt werden können. Nach dem heute angewandten sogenannten „Treat-to-Target“-Ansatz wird der Zustand der Patienten regelmäßig anhand messbarer Daten überwacht. Wenn die Behandlung die Entzündung nicht ausreichend reduziert, wird die Therapie angepasst – etwa durch eine höhere Medikamentendosis oder einen Wechsel des Präparats. Nach Ansicht der Forscher kann dieser Ansatz jedoch nicht nur als Therapie, sondern auch als eine Art „Warnsystem“ dienen: Er kann frühzeitig zeigen, wann die Beschwerden nicht oder nicht nur durch Entzündungen verursacht werden.

„Wenn sich die Zielwerte verbessern, der Patient aber weiterhin unter Schmerzen und Müdigkeit leidet, sollte man einen Schritt zurücktreten. In solchen Fällen sollte man nicht automatisch immer mehr Medikamente verschreiben, sondern herausfinden, was die Symptome aufrechterhält – sei es ein chronisches Schmerzsyndrom, Depressionen, Schlafstörungen oder Fettleibigkeit“, sagte Dr. György Nagy, Leiter der Klinik für Rheumatologie und Immunologie der Semmelweis University. Die Forscher beobachteten außerdem, dass sich mit diesem Ansatz Verbesserungen bei schwer behandelbaren Patienten erzielen lassen; zudem wirkt sich die Methode in vielen Fällen positiv auf die Arzt-Patienten-Beziehung aus.

Das Modell der Forscher erzielte großen internationalen Erfolg: Die Veröffentlichungen, die den Begriff „schwer behandelbar“ und die entsprechende Behandlungsstrategie eingeführt haben, wurden bereits mehr als tausendmal von anderen Forschern zitiert. Darüber hinaus wird die Definition inzwischen weltweit nicht nur bei rheumatoider Arthritis, sondern auch bei anderen Krankheiten verwendet.

Das Team arbeitet bereits an den nächsten Schritten: Neben ihren eigenen Forschungen planen sie, sich an Projekten zu beteiligen, die mithilfe künstlicher Intelligenz noch wirksamere Therapien für Menschen mit rheumatoider Arthritis entwickeln sollen.

„Mit KI-gestützter Mustererkennung könnten wir unterschiedliche Krankheitsmuster erkennen und mithilfe dieser Daten effektivere, nahezu personalisierte Behandlungsstrategien für Patienten entwickeln“, erklärte Dr. Lilla Gunkl-Tóth, Doktorandin an der Semmelweis University und Erstautorin der Veröffentlichungen.

Foto: Boglárka Zellei – Semmelweis Universität
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