Das an der Semmelweis Universität übergebene Anatomie- und Innovationszentrum für Bildung und Forschung (NOIKK) stellt einen bedeutenden Fortschritt sowohl in der medizinischen Ausbildung als auch in der postgradualen Weiterbildung und im Bereich der Innovation dar. Das Zentrum bietet modernste und sicherste Bedingungen für den Erwerb praktischer Kenntnisse, insbesondere in den manuellen und bildgebenden diagnostischen Fachbereichen; es schafft erstklassige Voraussetzungen für die Entwicklung innovativer medizinischer, chirurgischer und diagnostischer Geräte und Verfahren.

„Wir können heute die Entstehung einer Infrastruktur feiern, die für unsere Universität eine neue Dimension bedeutet. Sie ist nicht nur in unserer Region einzigartig, sondern gilt auch in Europa als Seltenheit und präsentiert modernste, zukunftsweisende Technologie,“ erklärte Dr. Béla Merkely, Rektor der Semmelweis Universität, bei der feierlichen Übergabe des Anatomie- und Innovationszentrums für Bildung und Forschung am 9. April. Das NOIKK biete durch die hier verfügbaren sogenannten Kadaver, also dank verstorbener Menschen, die ihren Körper der Wissenschaft und der Lehre zur Verfügung gestellt haben, eine absolut realitätsgetreue anatomische Umgebung, so der Rektor.

„Das mehr als 8.000 Quadratmeter große, mit modernster Technologie ausgestattete neue Zentrum schafft erstklassige und innovative Voraussetzungen für die medizinische Ausbildung und die Forscher und dient letztlich dem heiligsten Ziel der Semmelweis Universität, dem Wohl der Patienten. Die hier veranstalteten chirurgischen Kurse verbessern die für uns besonders wichtige praktische Ausbildung weiter. Dabei sind die Operationstechniken realitätsgetreu, können aber in einer vollkommen sicheren und kontrollierten Umgebung an Kadavern sowohl in der medizinischen Ausbildung als auch in der Fach- und Weiterbildung entwickelt und geübt werden,“ sagte der Rektor und fügte hinzu, dass die in einer realitätsnahen Umgebung gewonnenen Erfahrungen die Patientensicherheit und die Qualität der Versorgung erheblich verbesserten.

Wie er erläuterte, verbindet die besondere Infrastruktur des NOIKK Lehre und Wissenschaft und verkörpert den für die Universität vorrangigen translationalen Ansatz, wonach die Ergebnisse von Forschung und Innovation so schnell wie möglich am Krankenbett zum Einsatz kommen sollen. Das Ziel des NOIKK ist es, die Brücke zwischen medizintechnologischer Forschung und Patientenversorgung sowie zwischen der Universität und den Akteuren der Gesundheitsbranche zu stärken, und es kann auch den grenzüberschreitenden Wissensaustausch weiter intensivieren. „Das NOIKK gehört zu den Entwicklungen, mit denen wir den weiteren Fortschritt unserer Universität begründen. Damit machen wir einen bedeutenden Schritt vorwärts, sowohl in der medizinischen Ausbildung als auch in der postgradualen Weiterbildung und im Bereich der Innovation,“ betonte der Rektor. „Unser neues Zentrum steigert unsere internationale Sichtbarkeit und Anerkennung und hilft uns dabei, eine der 100 besten Universitäten der Welt zu werden,“ schloss Dr. Béla Merkely seine Ausführungen.

„Ein entscheidender Bestandteil der bewussten Weiterentwicklung ist auch das heute an der Semmelweis Universität zu übergebende Zentrum für medizinische Ausbildung, Innovation und Forschung,“ sagte Dr. Balázs Hankó, Minister für Kultur und Innovation Ungarns, in seiner Begrüßungsrede und erinnerte daran, dass unsere Nobelpreisträger, herausragenden Forscher und Medizinprofessoren den ungarischen Weg prägten. Er fügte hinzu, dass das Anatomie- und Innovationszentrum für Bildung und Forschung die ungarische medizinische Ausbildung durch neue, innovative Technologien ergänze und weiterentwickele. „Wir befinden uns heute hier an der besten Universität Ostmitteleuropas,“ betonte er.

„Das NOIKK ist ohne jede Übertreibung einzigartig in Ostmitteleuropa, und seine Infrastruktur und Ziele eröffnen nicht nur Europa, sondern der ganzen Welt neue Wege; in den Bereichen Lehre, Ausbildung und medizintechnologische Entwicklungen stützt es sich auf die Wissensbasis und die jahrhundertealten Traditionen des Instituts für Anatomie, Histologie und Embryologie sowie des Instituts für Pathologie, Rechts- und Versicherungsmedizin,“ hob Dr. András Kiss in seiner Ansprache hervor. Der Direktor des Instituts für Pathologie, Rechts- und Versicherungsmedizin wies in seiner Rede darauf hin, dass das NOIKK die modernste und sicherste Umgebung für den Erwerb praktischer Kenntnisse bieten werde, insbesondere in den manuellen und bildgebenden diagnostischen Fachbereichen. „Darüber hinaus wird es Weltklasse-Bedingungen für die Entwicklung innovativer medizinischer Verfahren, diagnostischer Instrumente und Eingriffe schaffen,“ erklärte der Direktor.

Nach den Begrüßungsreden übergaben Dr. Balázs Hankó, Dr. Béla Merkely, Kanzlerin Dr. Lívia Pavlik, Vizerektor für Internationales Studium Dr. Alán Alpár und Dr. András Kiss das neue Zentrum mit einer feierlichen Banddurchtrennung und sahen sich anschließend gemeinsam den Film über den Bau des NOIKK an. Nach der Filmvorführung konnten die Universitätsleitung und die geladenen Gäste bei einem Rundgang durch das Gebäude die auf den einzelnen Etagen eingerichteten Operationssäle kennenlernen.

Das NOIKK integriert Kenntnisse aus den Bereichen digitale Technologie, künstliche Intelligenz und Robotik in den Alltag der medizinischen Aus- und Weiterbildung und eröffnet neue Perspektiven beim Erlernen chirurgischer Techniken. Die angehenden Allgemeinmediziner und Fachärzte werden das hier erworbene Wissen und die weltweit führenden Techniken routinemäßig anwenden können, was wesentlich zu einer hochwertigen Patientenversorgung beiträgt.

Ausstattung auf Weltniveau

In zwei der drei Kadaverchirurgie-OP-Säle des NOIKK kann auf einer Grundfläche von jeweils etwa 100 Quadratmetern an jeweils sechs speziell für den Zweck der Kadaverchirurgie angefertigten Arbeitsstationen gearbeitet werden, während im dritten, etwa 150 Quadratmeter großen Operationssaal die Arbeit an neun Arbeitsstationen stattfinden kann. Jeder dieser Räume ist mit Operationsleuchten, Strom- und Druckluftanschlüssen sowie Absaugsystemen ausgestattet. Die an den Arbeitsstationen durchgeführten Eingriffe können auf hochauflösende Monitore an den Wänden übertragen werden, sodass sie auch von den Seminarräumen aus verfolgt werden können, ohne dass die Teilnehmer OP-Kleidung tragen oder im Operationssaal anwesend sein müssen – und das für bis zu 70 Personen.

An den Arbeitsstationen mit röntgendurchlässigen Tischplatten können die unterschiedlichsten Eingriffe von der Orthopädie über die allgemeine Chirurgie bis hin zur Thoraxchirurgie durchgeführt werden, und entsprechend stehen Instrumententabletts zur Verfügung. Zur Ausstattung gehören drei Röntgenbildverstärker, mit denen orthopädische Operationen, sogar Plattenimplantationen, unfallchirurgische und traumatologische Eingriffe verfolgt werden können und die zudem zur Darstellung von mit Kontrastmittel gefüllten Gefäßen geeignet sind. Den Operationssälen stehen vier Ultraschallgeräte mit unterschiedlichen Spezialisierungen zur Verfügung; außerdem gehört ein 128-Schicht CT-Gerät zur Ausstattung, das minimalinvasive pathologische Untersuchungen ermöglicht. Die im Rahmen bildgebungsgestützter Verfahren gewonnenen Erkenntnisse spielen eine herausragende Rolle bei der Entwicklung der Diagnostik von Tumorerkrankungen und seltenen Krankheiten sowie bei der Verbesserung von Probenentnahmetechniken.

Vier laparoskopische Türme gewährleisten die Durchführung von Eingriffen in Körperhöhlen; darüber hinaus stehen zwei weitere flexible Endoskopieeinheiten zur Übung von Gastroskopien und Koloskopien zur Verfügung, was weltweit nur an wenigen Orten möglich ist. Die technischen Geräte können je nach Bedarf in jedem Operationssaal eingesetzt werden.

Das NOIKK arbeitet eng mit dem Institut für Anatomie, Histologie und Embryologie sowie dem Institut für Pathologie, Rechts- und Versicherungsmedizin zusammen und integriert die kadaverbasierte Ausbildung, digitale Technologie und medizinische Innovation in ein einheitliches Ökosystem.

Éva Haiman, Anita Szepesi
Übersetzung: Dr. Balázs Csizmadia
Foto: Bálint Barta – Semmelweis Universität