
Das Forschungsteam der Semmelweis Universität wertete internationale Studien aus, um besser zu verstehen, wie Lebensstilfaktoren zur Behandlung von Endometriose beitragen können.
Endometriose ist eine chronische, östrogenabhängige entzündliche Erkrankung, von der etwa 10 % der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Diese Herde reagieren auf den Menstruationszyklus und können Schmerzen, Entzündungen und Blutungen verursachen, was häufig zu starken Menstruationsbeschwerden, chronischen Unterleibssymptomen, Müdigkeit und Unfruchtbarkeit führt. Die Diagnose erfolgt oft verzögert, und die Symptome können die Lebensqualität langfristig erheblich beeinträchtigen.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist, dass regelmäßige körperliche Aktivität – mindestens 150 Minuten pro Woche gemäß den allgemeinen Empfehlungen – mehrere positive Effekte haben kann. Bewegung kann den Hormonhaushalt beeinflussen und auch die Schmerzverarbeitung im Körper verändern.
Klinische Studien zeigen, dass Aktivitäten wie Yoga, Dehn- und Kräftigungsübungen, Ausdauertraining („Cardio“) und Krafttraining sowie Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung dazu beitragen können, endometriosebedingte Schmerzen zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.
„Körperliche Aktivität und andere Lebensstilfaktoren ersetzen keine medizinische Behandlung, können diese jedoch unterstützen“, sagte Dóra Boroncsok, Medizinstudentin und Doktorandin an der Semmelweis Universität sowie Erstautorin der Studie.
Die Forschenden heben außerdem die Vorteile einer mediterranen Ernährungsweise hervor, die reich an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Fisch und Olivenöl ist und gleichzeitig den Konsum von rotem und verarbeitetem Fleisch reduziert. Diese Ernährungsform wird mit einer Verringerung von Schmerzen und einer Verbesserung bestimmter Verdauungssymptome in Verbindung gebracht. Im Gegensatz dazu können entzündungsfördernde Ernährungsweisen, insbesondere mit hohem Anteil an rotem Fleisch, das Krankheitsrisiko erhöhen.
Die Übersichtsarbeit beleuchtet auch die mögliche Rolle verschiedener Mikronährstoffe und Nahrungsergänzungsmittel – darunter die Vitamine C, D und E, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Zink sowie bestimmte antioxidative Verbindungen – und weist darauf hin, dass weitere klinische Studien erforderlich sind, um ihre Wirksamkeit zu bestätigen.
Zum Lebensstil gehören außerdem ausreichender Schlaf, effektives Stressmanagement, ein maßvoller Alkoholkonsum sowie die Verringerung der Belastung durch Chemikalien wie BPA, DEHP und DES, die als endokrine Disruptoren wirken und das Hormonsystem beeinträchtigen können.
„Eine zentrale Botschaft ist, dass Patientinnen aktiv zur Verbesserung ihres Zustands beitragen können. Alltägliche Entscheidungen – von Bewegung über Ernährung bis hin zum Umgang mit Stress – können die Symptome beeinflussen. Eine Umstellung des Lebensstils ist kein Allheilmittel, bietet aber eine echte Möglichkeit, die eigene Gesundheit aktiv mitzugestalten“, ergänzte Dr. Gábor Sobel, außerordentlicher Professor an der Klinik für Geburtshilfe und Gynäkologie der Semmelweis Universität und Letztautor der Studie.
Die Studie stellt außerdem einen neuen Ernährungsansatz vor, der derzeit untersucht wird: die sogenannte Fasting-Mimicking Diet (FMD). Dabei handelt es sich um ein kurzes, in der Regel fünftägiges, pflanzenbasiertes und kalorienreduziertes Ernährungsprogramm, das ähnliche biologische Effekte wie Fasten auslöst, ohne vollständigen Nahrungsverzicht zu erfordern.
In klinischen Studien zu anderen chronisch-entzündlichen und metabolischen Erkrankungen – wie Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Risikozuständen – konnte gezeigt werden, dass die FMD Entzündungen reduziert, hormonelle und metabolische Prozesse positiv beeinflusst und zelluläre Reparaturmechanismen aktiviert.
Aufgrund ihrer biologischen Effekte erscheint die FMD vielversprechend, wurde jedoch bisher nicht bei gynäkologischen Erkrankungen untersucht. Das Forschungsteam der Semmelweis Universität hat daher ein klinisches Studienprotokoll entwickelt – die weltweit erste Studie, die die FMD bei gynäkologischen Erkrankungen, einschließlich Endometriose, untersuchen wird.
Róbert Cseszregi
Foto: Boglárka Zellei – Semmelweis Universität
Titelbild und Illustration: iStock by Getty Images/eternalcreative