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Dr. Andrea Fekete: „Leben gibt es auch außerhalb der Wissenschaft”

Dr. Andrea Fekete arbeitet schon seit 20 Jahren in der I. Klinik für Kinderheilkunde, leitet seit 7 Jahren die Diabetes Forschungsgruppe „SE-MTA Lendület“, wo unter anderem die Zuckerkrankheit, bzw. ihre Komplikationen – Nierenschaden, Depression – untersucht werden. Neben ihrer Forschungstätigkeit nahm Dr. Andrea Fekete früher als Fachärztin auch an der Krankenversorgung teil. Sie hält Vorlesungen im Fachbereich Kinderheilkunde in mehreren Sprachen, leistet einen wichtigen Beitrag in der postgraduellen Ausbildung, arbeitet als Mentor im Begabungsförderungsprogramm der Kerpel-Fronius Ödön Stiftung der Semmelweis Universität. Die mit mehreren Stipendien und wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnete Forscherin ist Mutter von drei Kindern.

Dr. Andrea Fekete stammt aus einer Ärztefamilie, es ist also nicht überraschend, dass sie diesen Beruf wählte, obwohl sie sich in ihren Schuljahren für den Lehrerberuf interessierte. Nach dem Abitur bewarb sie sich doch um einen Studienplatz an der Semmelweis Universität, wo sie sich in Richtung Grundforschung und Laboratoriumsarbeit orientierte. Anfangs interessierte sie sich für die Psychiatrie, dann für die Interne Medizin, in erster Linie für die Niere. Im Institut für Pathopsychologie begann sie, sich mit TDK-Arbeit (Wissenschaftlicher Studentenkreis) und mit Nierenforschung zu beschäftigen.

Als Mutter von 3 Kindern weiß Dr. Andrea Fekete viel über die Schwierigkeiten der Abstimmung des Arbeits- und Familienlebens. Vorteil der Forschungstätigkeit ist die flexible Arbeitszeit – sagt sie – aber auch so ist eine komplizierte Organisation nötig, um die Kinder rechtzeitig vom Kindergarten und von der Schule abholen zu können. Auch die sozialen Netze sollten weiterentwickelt werden – meint sie. „Es wäre eine große Hilfe für die Mitarbeiter eine Kinderkrippe an der Uni zu haben, wo sie ihre Kinder für Paar Stunden abgeben könnten. Es ist eine tolle Sache, dass der Uni-Kindergarten errichtet wurde, wäre aber noch besser, wenn er eine Stunde länger geöffnet wäre, so könnte die Logistik leichter gelöst werden.“ Beim Geburt ihres dritten Kindes hat sich Dr. Andrea Fekete so entschieden, dass sie längere Zeit zu Hause verbringen wird, um die Zeit mit dem Baby noch länger genießen zu können. Trotz dessen kehrte sie damals am ehesten in das Arbeitsleben zurück. Solange der Kleine schlief, arbeitete sie via Skype, ab den 6-ten Lebensmonat von Áron verbrachte sie schon Paar Stunden in der Klinik. Früher praktizierte sie als Kinderärztin, dafür hat sie aber heute neben der Forschungsleitung und neben den drei Kindern keine Zeit mehr. Ihr Mann arbeitet auf ähnlichem Gebiet, er ist Nephrologe, Dozent der Klinik für Transplantation und Chirurgie – sie können also fachlich einander ergänzen. Die Selbstzeit ist sehr wichtig – betonte die Forscherin – die muss man wollen und auch aktiv tätigen – formulierte sie. Das Skifahren ist eine große Liebe, daneben spielt sie in ihrer Freizeit viel Tennis. Mit ihrem Mann achten sie darauf, um wöchentlich einmal zu zweit auszugehen. In solchen Fällen hilft ihnen ein Babysitter, und auch ihre Forschungsgruppe unterstützt sie dabei. Zu ihrem Geburtstag bekam sie z.B. solche Geschenke von ihren Mitarbeitern: „Wir machen heute Abend Babysitting für Euch, geht ruhig aus; wir machen den Großeinkauf für Euch; wir bringen die Kinder zur Sportveranstaltung“

Die Frauen sind mehr empathisch, und wissen viel besser, dass es  ein Leben auch außerhalb der Wissenschaft gibt. – meint Dr. Andrea Fekete. Als Frau und Leiterin weiß sie genau, was für Schwierigkeiten die Frauen haben, und versucht auch ihre Studenten darauf vorzubereiten. Ein Kind kann nie rechtzeitig kommen – zitierte sie eine ihrer älteren Freundin – man kann aber ruhig eine Familie gründen, das Leben wird die Lösungen bringen. Es ist aber sehr wichtig, dass wir bei unseren Entscheidungen bleiben: „Wir müssen sagen können, dass wir auch mit einem Kind glücklich sind, oder dass wir nur 6 Stunden pro Tag arbeiten, weil die Familie für uns wichtiger ist, und wir nicht so tun, wie es von der Gesellschaft erwartet wird„ – betonte Dr. Andrea Fekete. Laut ihrer Meinung gehört gute Mannschaft unbedingt zu einer erfolgreichen Forschungsarbeit. Am meisten ist sie auf ihre eigenen Mitarbeiter stolz, da es eine solche Mannschaft hinter ihr steht, die die Projekte auch selbstständig weiterführen kann, sie haben eine Menge von guten Ideen. Wie sie sagte, ist sie eine Translationsforscherin, mag die Themen am meisten, wo die Grundforschungsfrage bald zu einer klinischen Antwort führt.

Nach einem Jahr US- und 2 Jahre Deutschlandsaufenthalt gewann Dr. Andrea Fekete als erste Frau in Ungarn die 5-Jahre Unterstützung des „Lendület-Programms“ (Diabetes Programm). Sie gründete die 10-köpfige „Lendület Diabetes Forschungsgruppe“, die die Herausbildung des Diabetes, die frühere Erkennung der Krankheit und die bisher nicht gekannten Möglichkeiten seiner Heilung untersucht. Eins ihrer Hauptforschungsgebiete ist die Untersuchung des diabetischen Nierenschadens, sowie die Untersuchung der Verbindung zwischen Depression und Diabetes. Sie beschäftigen sich auch mit akuten und chronischen Nierenkrankheiten, entwickeln eine neue Speicher-Flüssigkeit zum Transplantationsorgan, womit die Implantationszeit verlängert, bzw.  ein Organ im besseren Zustand transplantiert werden kann – erläuterte die Ergebnisse Dr. Andrea Fekete.

Bernadett Kiss-Bódi 
Photo: Attila Kovács  – Semmelweis Universität
Übersetzung: Judit Szlovák

 

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