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Semmelweis Universität

Geschichte der Universität und die Entwicklung der pharmazeutischen Ausbildung in Ungarn

Diploma Inaugurale (1780)

Die medizinische Ausbildung an der Semmelweis Universität in Budapest kann auf eine Geschichte von mehr als 235 Jahre zurückblicken. Die Universität wurde von Kardinal Péter Pázmány in1635, in Nagyszombat gegründet, wo sein Bischofssitz war (heute Trnava, Slowakei). Den damaligen zwei Fakultäten (Theologie und Jura) schloss Königin Maria Theresia am 7. November 1769 die medizinische Fakultät an. Die neue Fakultät wurde bereits 1777 nach Buda verlegt. Das “Diploma Inaugurale”, in dem die Rechte der Universität und auch die zu ihrer Erhaltung notwendigen finanziellen Mittel aufgezeichnet sind, stammt aus dem Jahre 1780. Nach wenigen Jahren Lehrtätigkeit siedelte die Fakultät von Buda nach Pest. Buda und Pest waren bis zu den siebziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts noch selbständige Städte, die die Donau trennt. Die Universität wurde erst im Jahre 1848 zu einer nationalen Universität.

Die medizinische Fakultät war für neue Verfahren und förderliche Ideen immer offen: z.B. schon wenige Monate nach ihrer Entdeckung wurde die Äthernarkose angewendet; das zweite Hygienische Institut in Europa wurde an dieser Fakultät errichtet; Ignaz Philipp Semmelweis, der die Ursache und die Prophylaxe des Kindbettfiebers als erster entdeckte, erhielt einen Lehrstuhl an dieser Fakultät.

Der Ausbau der heutigen Kliniken und Institute erfolgte am Ende des 19. Jahrhunderts. Dieselben Gebäude, restauriert und modernisiert, werden noch heute benutzt.

Neue Kliniken und Institute sind teilweise zu Beginn des 20. Jahrhunderts, oder erst in den letzten Jahrzehnten gebaut worden, wobei einige Krankenhäuser und Krankenhaus-Abteilungen den Lehrstuhl-Status erhielten.

Ignaz_SemmelweisIm Jahre 1951 wurde die medizinische Fakultät von der Budapester Universität separiert und als eigenständige Universität anerkannt. Wenige Jahre danach wurden auch die Fakultäten für Zahnmedizin und Pharmazie gegründet. Im Jahre 1969, zum 200. Jahrestag der Gründung der Fakultät, nahm die aus drei Fakultäten bestehende Universität zu Ehren ihres ehemaligen Professors den Namen “Semmelweis Universität für Medizinische Wissenschaften” an.

Am 1. Januar 2000 wurden zwei andere Hochschulen mit der Semmelweis Universität vereint, die bis zum heutige Zeitpunkt über fünf Fakultäten verfügtAllgemeinmedizin, Zahnmedizin, Pharmazie, Sportwissenschaften und Gesundheitswesen. An der Universität studieren insgesamt 11900 Studenten, darunter 2800 Studenten aus dem Ausland. An den Fakultäten für Medizin, Zahnmedizin und Pharmazie studieren insgesamt 5160 Studenten, davon 750 in deutscher und 930 in englischer Sprache. Intensive Forschungstätigkeit erfolgt sowohl in den Instituten als auch in den Kliniken.

Entwicklung der pharmazeutischen Ausbildung in Ungarn

Die pharmazeutische Ausbildung begann in Ungarn im Jahre 1769. In diesem Jahr wurde die Fakultät für Medizin gegründet, in deren Rahmen das Studium der Pharmazie lief. Der Kandidat musste sein Wissen aus Latein, Chemie, Botanik und pharmazeutischen Kenntnissen vor einer Kommission, bestehend aus dem Dekan, Professor der Chemie und Botanik und aus angesehenen Pharmazeuten demonstrieren. Die Vorbedingung dieser Prüfung war ein Kurs (2 Semester). Seit 1806 studierte man Chemie, Botanik und pharmazeutische Kenntnisse (mit eigenen Prüfungen abgeschlossener Fächer) im Rahmen der pharmazeutischen Ausbildung.

Die Studiumsdauer der pharmazeutischen Ausbildung wurde auf zwei Jahre (vier Semester) im Jahre 1851 erhöht. Die Studenten haben in dem ersten Studienjahr Zoologie, Botanik und Mineralogie, im zweiten Jahr Chemie und pharmazeutische Kenntnisse studiert. Ab 1859 wurden auch Frauen zur Pharmaziestudium zugelassen.

Das Studium wurde im Jahre 1940 auf vier Jahre verlängert. Es wurden auch neue Fächer eingeführt. Als Resultat der Reform wurde das Komitee der pharmazeutischen Ausbildung aufgerichtet, was der Vorgänger der heutigen Fakultät für Pharmazie war.

Seit 1955 arbeitet die Fakultät für Pharmazie in der heutigen Form. Im Mittelpunkt der Ausbildung steht die Apotheke – als eine wichtige Einrichtung des Gesundheitswesens. Weitere neue Fächer wurden eingeführt, wie Pharmakologie, Gesundheitslehre, Mathematik für Pharmazeuten. Über 60% der Kontaktstunden wurden mit Praktika ausgefüllt.

Im Jahre 1972 begann die Ausbildung von Fach-Pharmazeuten. Im Rahmen der Ausbildung zu Fach-Pharmazeuten werden weiterführende Teile der Fächer Präparative Organische Chemie, Klinische Chemie, Pharmazeutische Technologie, Arzneimittelkontrolle, Pharmakognosie, Toxikologie, Pharmazeutische Administration studiert.

Seit 1988 wird Pharmazie in 10 Semestern studiert. Das Studium ist Eurokonform; der Lehrplan berücksichtigt weitgehend auch die Anforderungen der deutschen Approbationsordnung für Apotheker (AAppO). In demselben Jahr hat man den englischsprachigen Studiengang an der Fakultät für Pharmazie eingerichtet.

Ab 2009 bekommen die Studenten mit dem Diplom auch den Titel “Doktorpharmazeut” (dr. Pharm.)

Ab September 2011 ist das Pharmaziestudium auch in deutscher Sprache erreichbar.