Die Klinik für Medizinische Bildgebung nimmt seit dem Eintreffen des neuartigen Coronavirus in Ungarn an COVID-Versorgung teil, da sie die zur Patientenversorgung unerlässlichen diagnostischen Beitrag gewährleistet. In diesem Artikel unserer Artikelreihe, in der die an der COVID-Versorgung teilnehmenden Organisationseinheiten der Universität vorgestellt sind, wurde Dr. Pál Maurovich-Horvat, Direktor über die Erfahrungen gefragt:

Seit wann nehmen Sie an der COVID-Versorgung teil? Erinnern Sie sich an den ersten Fall?

Da die Klinik für Medizinische Bildgebung (OKK) eine Organisationseinheit ist, die sich mit Diagnostik beschäftigt, nehmen wir seit Eintreffen des neuartigen Coronavirus in Ungarn an COVID-Versorgung teil. Ich erinnere mich gut an das erste CT-Bild, auf dem eine für COVID-Erkrankung charakteristische Muster von Pneumonie zu sehen war. Der Patient wurde im März 2020 von der Abteilung für Notfallmedizin (SBO) zu uns geliefert – diese Krankheit war damals ein Kuriosum, wir konnten darüber nur aus ausländischen Krankenhäusern und von Internet Information holen.

Was ist Ihre Aufgabe bei der COVID-Versorgung?

Die OKK sichert den diagnostischen Hintergrund für die Abteilung für Notfallmedizin und den kompletten Äußeren Klinischen Block. Da die häufigste Komplikation der COVID-19 die Pneumonie ist, haben die Diagnostik, darunter die CT-Untersuchungen in der COVID-Versorgung eine besonders wichtige Rolle. Als das Virus in Ungarn auftauchte, wurde von uns einen parallelen diagnostischen Prozess und Patientenversorgung gestaltet – die Normalfälle kamen in die grüne Zone, die Corona-Fälle in die rote Zone; sie sind voneinander streng separiert.

An der Universität wird über jeden COVID-19-Verdachtsfall eine Röntgenaufnahme gemacht; falls die Infektion bestätigt ist, machen wir auch eine CT-Aufnahme. Auf diesen Bildern sieht man die von Coronavirus verursachte Pneumonie deutlich, und auch das genaue Ausmaß der Infektion ist zu beurteilen. Bei der Folgeuntersuchung werden meistens auch CT-Aufnahmen gemacht, damit wird auch die Wirksamkeit der Therapie geprüft. Der Zustand des Patenten ist jedoch der wichtigste Faktor, welche Bildgebungsverfahren angewendet werden.
Auf den 2D CT-Bildern sind die Lufträume der Lunge dunkel gezeigt, auf den 3D-Bildern haben sie eine lila Farbe. Die hellen Flecken sind die von viraler Pneumonie betroffenen Gebiete.

 

Wie sehen Sie den Unterschied zwischen der ersten, zweiten und dritten Welle in Verbindung mit Ihrem Institut?

Als Vorbereitung für die zweite und dritte Welle besorgten wir neue, wirksamere Einrichtungen: Statt unserem 16-Zeilen-CT-Gerät kauften wir ein moderneres 128-Zeilen-Gerät, besorgten ein Hightech Roboter-basiertes Röntgengerät und eine Ultraschall-Einrichtung. Es war sehr wichtig, sie zu beschaffen, da die zweite Welle das Gesundheitswesen und die Patientenversorgung der Semmelweis Universität vor viel größeren Schwierigkeiten stellte. Während der zweiten Welle im Herbst gab es viel mehr Patienten im schweren Zustand, und laut unserer – seither gesammelter – Erfahrungen erhöhte sich die Anzahl der Patienten mit thromboembolischen Erkrankungen und Stroke wegen COVID auch – dies konnten wir an unserer Abteilung auch sehen. Der durch Unterstützung der Universität und der 77 Elektronika GmbH   aus Dänemark besorgte autonome mobile UV-Desinfektionsroboter leistete uns eine große Hilfe – dieses Gerät trug unter anderem auch dazu bei, dass sich die Facharbeiter der OKK während der ersten und zweiten Welle nicht erkrankten. Die Belastung wird jetzt während der dritten Welle höchstwahrscheinlich noch höher. Wir beschafften neue mobile Röntgen-Geräte, und seit einigen Wochen wurde in der Klinik für Pneumologie auch ein modernes 128-Zeilen-CT-Gerät übergeben. Vor kurzem überschritten die an einem Tag durchgeführten akuten CT-Untersuchungen die Zahl von 120. Dies bedeutet, dass wir auch solche Perioden haben, wenn wir mehrere Stunden lang jede 3-5 Minuten eine neue CT-Untersuchung machen. Zu dieser Leistung sind außer Spitzentechnologie selbstverständlich auch die hier arbeitenden Facharbeiter und Ärzte nötig. Es gibt aber ein wichtiges Positivum im Vergleich mit den ersten zwei Wellen der Epidemie: wegen Durchgeimpftheit der an Krankenversorgung teilnehmenden medizinischen Mitarbeiter ist die bestehende Gefahr für sie viel niedriger.

Inwieweit war eine Umstrukturierung der Arbeit nötig?

Die Arbeit musste deutlich umstrukturiert werden, bei Schichtarbeit wurden überlappende Zeiten eingeführt, und unsere graduelle Bildung wurde auf Online-Plattform umgestellt. Zum Glück gab es neue Methoden – z.B. unser tele-radiologisches System – die uns in großem Maße unterstützten. Außerdem hielten wir die eingeführten Regelungen ein – wie z.B. Abstand halten – und versuchten die Arbeitsprozesse zeitlich und räumlich voneinander zu separieren. Die Klinik für Medizinische Bildgebung ist eine relativ neue, im Jahre 2019 zustande gekommene Organisationseinheit, die sich in kurzer Zeit nach ihrer Gestaltung den neuen Herausforderungen wegen Pandemie stellen musste. Ich denke aber, dass unsere drei Lehrstühle, der Lehrstuhl für Radiologie, Lehrstuhl für Nuklearmedizin und Lehrstuhl für Neuroradiologie hervorragend miteinander kooperieren, sie konnten einander immer unterstützen.

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Welche wichtigen Lektionen, auch später nutzbare Erfahrungen konnten Sie durch diese Situation sammeln?

Das Coronavirus brachte viele solchen Änderungen mit sich, die auch nach der Pandemie erhalten bleiben. Die Entwicklung der auf künstliche Intelligenz basierenden diagnostischen Algorithmen wurde stark beschleunigt, daran nimmt auch unsere Klinik teil: in Kooperation mit einer Forschungsgruppe von Los Angeles haben wir eine solche, sich auf die künstliche Intelligenz basierende, die Schwere der Pneumonie quantifizierende Plattform (die durch COVID verursacht wurde) entwickelt, die mit hoher Präzisität voraussagen kann, wer an Beatmungsmaschine anzuschließen ist, bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit die Verschlechterung des Patientenzustands zu prognostizieren ist.

Daneben beschleunigte sich die Entwicklung der – sich auf ähnlichem Prinzip basierende – in der Stroke-Diagnostik nutzbaren Applikationen, oder die Plattform-Forschungen, die mit Erkennung der Lungenherden (Lung nodules) in Verbindung sind – an diesen Forschungen nahmen wir mit einem ungarischen Konsortium auch teil.  Auch in der Klinik wurden mehrere Entwicklungen verwirklicht: es wurde ein epidemiesicheres Rezeptionspult gebaut und durch universitäre Unterstützung wurden auch die Innenhöfe umgestaltet. In diesen Innenhöfen wurden auch Smart Tische aufgestellt, so kamen moderne Gemeinschaftsgeländen im Zentralgebäude für Patientenversorgung zustande, die auch als äußere Unterrichtsräume zu benutzen sind. So ist möglich geworden, im Freien sicherer Übungen zu halten, Konsultationen zu machen und Gespräche zu führen. Wir hatten auch das Ziel, damit wir den Äußeren Klinischen Block studentenfreundlicher machen. Die am meisten positive Änderung vom letzten Semester war, dass wir eine morgendliche Vorlesungsreihe gestalteten: wegen Pandemie veranstalteten wir die allmorgendlichen offiziellen Diskussionen und die danach folgenden Weiterbildungsvorlesungen online durch Zoom. Danach kam uns der Gedanke, dass wir diese Vorlesungen für die Residenzärzte des ganzen Landes und auch für die ungarisch sprechenden Residenzärzte außerhalb von Ungarn frei machen sollten. Seither beginnen viele Residenzärzte morgens um 8.05 Uhr ihren Tag mit dem „Residenz-Radio“ der OKK. Die 20-25 minutige Vorlesungen gehören entsprechend dem Curriculum der Europäischen Gesellschaft für Radiologie jede Woche zu einem Themenkreis. Wegen positiven Rückmeldungen wird geplant, dass dieser Online-Unterricht nach der Pandemie fortgesetzt wird.

 

Ádám Szabó
Foto: Attila Kovács – Semmelweis Universität; Facebook-Seite der Klinik für Medizinische Bildgebung von der Semmelweis Universität
Übersetzung: Judit Szlovák