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Die Atheisierung der Kultur im kommunistischen Polen 
Robert J. BIEL  Contact / Kontakt / Kapcsolat 
EJMH Vol 8 Issue 2 (2013) 212-231; https://doi.org/10.5708/EJMH.8.2013.2.3
Received: 27 August 2012; accepted: 5 December 20129; online date: 15 December 2013
Section: Common Past
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Abstract

The Atheisation of Culture in Communist Poland and Its Present-Day Repercussions: The Age of Enlightenment marked the beginning of modern religious criticism in Europe. Several atheistic ideas born at that time have maintained their influence and affected the life and culture of many generations. This process, which clearly manifested itself in the People’s Republic of Poland as well, led to the atheisation of culture. The church in Poland has been acting as the patron of culture for centuries and this role was especially important at times of political dependence such as the division or the occupation of the country. Under the Communist rule, culture was given a subordinate status based on the structural and political principles of the Communist Party. Consequently, culture was primarily expected to serve communism. The intention of authorities to marginalise Christian culture and art resulted in its increasing ghettoisation. Following the declaration of a state of emergency (1981) the ghetto conditions created for Christian culture contributed to the so-called internal emigration of artists and the boycott of the Polish radio and television. This process generated an unofficial system of culture, which could cater to the needs of the majority of citizens. This unofficial system comprised actors and trustees of culture who were not subservient to state power or had more authority and freedom to represent different values, norms or forms of behaviour than those of the dominant cultural system. For example, churches or parish community rooms hosted theatre shows and other performances as well. The unofficial system of culture contributed to social integration in a significant way and helped to preserve national identity. The social status quo following the political turn compelled the Polish church to re-define its position on the free market of ethical, cultural and religious values and played a role in eliminating the gulf between the Christian message and modern society. Since church and culture have been deeply intertwined and Christians are conscious of their centuries-long spiritual and cultural heritage, they cannot and do not want to give up this unalterable element of national and religious identity. Christians have been forming the image of intangible culture for centuries and they will continue to strive for a position as equal and full partners in constructing the new European reality.

Keywords

state and church, Poland, communism, state socialism, history, dictatorship, retrospection, atheist ideology, church, political turn, culture

Zusammenfassung

Die Atheisierung der Kultur im kommunistischen Polen und ihre Konsequenzen für die Gegenwart: Mit der Aufklärung hat in Europa die Religionskritik im modernen Si nn eingesetzt. Viele der damals entwickelten atheistischen Gedanken haben ihre Wirkung bis in die Gegenwart behalten und beeinfl ussen bis heute das Leben und die Kultur vieler Generationen. Dieser Prozess führte in den kommunistischen Ländern zur Atheisierung der Kultur, was sich in der VR Polen deutlich zeigte. Die Kirche in Polen übernahm bereits vor Jahrhunderten die Rolle eines Mäzens der Kultur, was besonders in den Perioden der politischen Abhängigkeit, also bei Teilungen oder Besetzungen, von Bedeutung war. Die Machtübernahme durch die Kommunisten führte zur Bevormundung der Kultur und ihre Unterordnung unter die strukturellen und politischen Prinzipien der kommunistischen Partei. Forthin galt es als höchste Berufung der Kultur, im Dienste des Kommunismus zu stehen. Die von den kommunistischen Behörden geplante Marginalisierung der christlichen Kultur führte nach und nach zur Entstehung eines Ghettos der christlichen Kultur und Kunst. Besonders seit der Verhängung des Kriegsrechts in Polen (1981) führten diese für die christliche Kultur geschaffenen Ghetto-Verhältnisse zur sog. inneren Emigration der Künstler und zum Boykott des polnischen Rundfunks und Fernsehens. Als Konsequenz hieraus entstand ein inoffi zielles Kultursystem, das die diesbezüglichen Bedürfnisse des größten Teils der Bevölkerung stillte. Das inoffi zielle Kultursystem bildeten jene Kulturschaffenden, die im Bereich des Kulturlebens nicht der Staatsmacht unterstanden, oder ihr zwar unterstanden, aber so viel Autorität und Freiheit genossen, dass sie Werte, Normen und Verhaltensweisen überliefen konnten, die nicht mit dem geltenden sozialistischen Kultursystem übereinstimmten. In Kirchen und Gemeinderäumen wurden Theatervorstellungen und Vorlesungen durchgeführt. Das inoffi zielle Kultursystem trug wesentlich zur gesellschaftlichen Integration bei und half die nationale Identität zu bewahren. Die neue gesellschaftliche Lage nach der Wende zwang die Kirche in Polen zu neuen Positionsbestimmungen auf dem freien Markt der ethischen, kulturellen und religiösen Werte und zur Überwindung der Spaltung, die zwischen dem Evangelium und der modernen Kultur erfolgt war. Aufgrund der tiefen Verbundenheit zwischen Kirche und Kultur und des Bewusstseins des geistigen und kulturellen Erbes der vergangenen Jahrhunderte können und wollen die Christen in Polen nicht auf das verzichten, was einen unveräußerlichen Teil der nationalen und religiösen Identität darstellt. Die Christen, die das Antlitz der geistigen Kultur über Jahrhunderte geprägt haben, wollen auch heute an der neuen europäischen Wirklichkeit gleichberechtigt mit anderen Europäern mitwirken.

SCHLÜSSELBEGRIFFE
Staat und Kirche, Polen, Kommunismus, Staatssozialismus, Diktatur, Geschichte, Rückblick, atheistische Ideologie, Kirche, Wendezeit, Kultur

Corresponding author

Dr. Robert BIEL
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