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The Church’s Work with the Deaf as an Interface between Church and Society 
Liisa RANTALA & Paavo KETTUNEN Contact / Kontakt / Kapcsolat
EJMH Vol 7 Issue 1 (2012) 3–23; https://doi.org/10.5708/EJMH.7.2012.1.1
Received: 10 March 2011; accepted: 5 October 2011; online date: 6 June 2012
Section: Research Papers
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Abstract

In this article, we examine the Church’s work with the deaf in Finland from the beginning of the 1900s to the beginning of the 1980s. We look at the objectives of the Church and of society as well as the position of the deaf throughout different eras using a genetic-historical approach. Two particular issues are connected to the time period in question: racial hygiene and the shift to oralism. At the end of the 1800s, the concept of racial hygiene gained support throughout Europe, leading deafness, among other handicaps, to be categorized as a defective characteristic. Furthermore, there was a change in how people related to sign language. Through oralism, the medium for teaching the deaf changed from signing to the spoken word, and sign language was forbidden. This resulted in a lower level of general knowledge in the deaf population and a weakening of its position in working life. These particular issues caused changes to how people related to deafness. Earlier, the measure of a good citizen was that they could support themselves. In contrast, the demands of good citizenship during this period grew; good citizens were to be healthy, both mentally and physically. They were to be able to communicate through the spoken word; the deaf’s own language was discountenanced. However, sign language lived on in deaf communities. Moreover, the Church’s work with the deaf in Finland was always carried out in sign language. This work was shared between the Church and the state. The main responsibilities of pastors and diaconia workers working with the deaf were their social and pastoral care, as well as spreading the gospel and teaching. The social work being done with the deaf currently is the responsibility of society, while the Church is responsible for spiritual work. The position of the deaf has improved. There have been changes in the church’s work with the deaf as well. The position of the deaf has changed from being a passive receiver of care to an active participant and actor in society.

Keywords

disability, Marriage Act, oralism, pastoral care of the deaf, racial hygiene, sign language, sterilization, work with the deaf

Zusammenfassung

Kirchliche Aktivitäten für Gehörlose im Spiegel der Rolle von Kirche und Gesellschaft: In diesem Artikel werden die kirchlichen Aktivitäten für Gehörlose von 1900 bis Anfang der 1980er Jahre in Finnland untersucht. Es wird ein Überblick über Beweggründe der Kirche und der Gesellschaft sowie über die Situation der Gehörlosen unter genetisch-historischem Aspekt in verschiedenen Zeitabschnitten geboten. Zwei Themen sind für den untersuchten Zeitraum hervorzuheben: Rassenhygiene und Verbreitung des Oralismus. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war das Konzept von der Rassenhygiene in ganz Europa breit akzeptiert, Gehörlosigkeit und andere Behinderungen wurden demzufolge als unerwünschte Merkmale betrachtet. Gleichzeitig veränderte sich auch die Einstellung der Gesellschaft gegenüber der Gebärdensprache. Mit der Verbreitung des Oralismus wurde in der Erziehung von Gehörlosen die Gebärdensprache durch die Lautsprache abgelöst, die Verwendung der Gebärdensprache wurde weitestgehend untersagt. Dies hatte zur Folge, dass das Bildungsniveau der gehörlosen Bevölkerung sank und sich ihre Position und ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verschlechterten. Dadurch veränderte sich auch die Einstellung der Gesellschaft gegenüber ihren gehörlosen Mitgliedern. Zu früheren Zeiten galten diejenigen als Musterbürger, die für ihren Lebensunterhalt sorgen konnten. Nun jedoch wurde die Latte etwas höher gelegt: An gute Bürger wurde die Erwartung gerichtet, sowohl über geistige als auch über körperliche Gesundheit zu verfügen. Gehörlose mussten also befähigt sein, in der Lautsprache zu kommunizieren, da die eigenständige Sprache der Gehörlosen immer stärker abgelehnt wurde. Die Gebärdensprache ist aber in der Gehörlosengemeinschaft dennoch erhalten geblieben. Zudem hat die Kirche in Finnland bei ihrer Arbeit mit Gehörlosen immer die Gebärdensprache verwendet. Kirche und Staat teilten die Aufgaben untereinander auf. Die Pastoren und die diakonischen Mitarbeiter, die mit Gehörlosen arbeiteten, waren neben Predigt und Lehrtätigkeit an der Schule vor allem für die soziale und seelsorgerliche Versorgung der ihnen anvertrauten Menschen verantwortlich. Heute übernimmt der Staat die sozialen Aufgaben im Zusammenhang mit gehörlosen Menschen, während die Kirche für die spirituelle Arbeit verantwortlich ist. Die Situation von Gehörlosen hat sich verbessert. Auch in der kirchlichen Arbeit mit Gehörlosen kam es zu Veränderungen. Gehörlose sind heute nicht mehr passive Hilfsempfänger, sondern aktive Beteiligte und gesellschaftliche Akteure.

SCHLÜSSELBEGRIFFE
Behinderung, Ehegesetz, Oralismus, Seelsorge für Gehörlose, Rassenhygiene, Gebärdensprache, Sterilisation, Aktivitäten für Gehörlose

Corresponding author

Dr. Paavo KETTUNEN
Practical TheologyUniversity of Eastern Finland
Yliopistokatu 2
FI-80101 Joensuu
Finland
paavo.kettunen@uef.fi

Co-author

Dr. Liisa RANTALA; Finland