{"id":6724,"date":"2020-11-09T16:02:00","date_gmt":"2020-11-09T15:02:00","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=6724"},"modified":"2022-01-25T15:11:20","modified_gmt":"2022-01-25T14:11:20","slug":"was-wuerde-ignac-semmelweis-sagen-schreiben-von-dr-bela-merkely","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2020\/11\/09\/was-wuerde-ignac-semmelweis-sagen-schreiben-von-dr-bela-merkely\/","title":{"rendered":"Was w\u00fcrde Ign\u00e1c Semmelweis sagen? \u2013 Schreiben von Dr. B\u00e9la Merkely"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201eTrotz anstrengender Arbeit sind die \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte und Rettungssanit\u00e4re allein nicht f\u00e4hig, die Pandemie zu bek\u00e4mpfen. Dazu ist auch unsere Unterst\u00fctzung gebraucht. In den n\u00e4chsten Tagen-Wochen wird sich herausstellen, was f\u00fcr einen Winter, ein Jahresende wir haben werden, ob wir fr\u00f6hliche und sinnliche Weihnachten dieses Jahr feiern k\u00f6nnen\u201c \u2013 formulierte Dr. B\u00e9la Merkely, Rektor der Semmelweis Universit\u00e4t\u00a0<a href=\"https:\/\/magyarnemzet.hu\/velemeny\/mit-mondana-semmelweis-ignac-8886029\/\">in seinem Schreiben, das in der ungarischen Zeitschrift \u201eMagyar Nemzet\u201c erschien<\/a>. Er teilt uns seine Meinung \u00fcber das Coronavirus mit, und schreibt dar\u00fcber wie wir die sich verbreitende Pandemie bek\u00e4mpfen k\u00f6nnen, indem er auch auf die T\u00e4tigkeit von Ign\u00e1c Semmelweis hinweist.<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer spielten wir noch mit den Gedanken, dass wir das Virus, das andere Nationen fast vernichtete, besiegen k\u00f6nnen, so werden die grundlegenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Prozesse nach schneller Behebung dieser Probleme reibungslos weiterlaufen k\u00f6nnen. Da w\u00e4hrend der ersten Welle die Anzahl der Infizierten gering war, bildeten viele \u2013 nach dem ersten Schreck \u2013 die Meinung, dass ihre Reaktion im Fr\u00fchling eventuell \u00fcberreagiert war. Es gab immer mehrere Personen, die die N\u00fctzlichkeit des Maskentragens sogar die Existenz des Virus verneinten. Sie haben sich die Wirklichkeit besch\u00f6nigt.<\/p>\n<p>Die zweite Welle des janusgesichtigen Virus zog aber in der letzten Augustwoche wie ein Tornado \u00fcber uns. Obwohl die Experten uns vorwarnten, die Mitarbeiter im Gesundheitswesen die n\u00f6tigen Vorbereitungen machten, die Politiker ein epidemiologisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches Schutzpaket ausarbeiteten, waren wir, Ungarn auf die zweite Welle \u2013 \u00e4hnlich zu den Menschen von Europa \u2013 nicht vorbereitet. So fallen auch in Ungarn immer mehrere Menschen Opfer zum Virus. Es passiert sehr leicht, da wir\u00a0 unvorsichtiger und zu selbstsicher geworden sind.<\/p>\n<p>Das COVID-19 ist eine andere Krankheit als diejenigen, die wir w\u00e4hrend unserer Kindheit hatten: die Pocken, die Pest, die Cholera, der Typhus, der Scharlach, die Diphtherie, die Polio und die spanische Grippe. Diese Krankheiten sind f\u00fcr uns, Europ\u00e4er, wie Kinderm\u00e4dchen; wir haben dar\u00fcber viel geh\u00f6rt, aber nie eigene Erfahrung dar\u00fcber gemacht. Dies ist eine selbstverst\u00e4ndliche menschliche Reaktion, da das ferne Bild eines unvermuteten Ereignisses ist nicht ausreichend, man f\u00e4ngt an, in kurzer Zeit global zu denken, die existenziellen Fragen des Lebens umzuwerten; Unser Denken bleibt weiterhin innerhalb der gewohnten Rahmen. Umso erschreckender kann der Gedanke f\u00fcr uns sein, dass wir unsere Freunde und Bekannten nicht kontaktieren d\u00fcrfen, und unsere Reise-, Unterhaltungs- und Gesellschaftsgewohnheiten beschr\u00e4nkt sind.<\/p>\n<p>Leider haben wir gegenw\u00e4rtig eine andere Situation: die Anzahl der Erkrankungen und der schweren F\u00e4lle erh\u00f6ht sich drastisch, die meisten von uns haben inzwischen Kollegen, Nachbarn oder Familienangeh\u00f6rigen, die durch Coronavirus infiziert sind. Die Situation ver\u00e4nderte sich. Die bedeutende Frage ist nun, wie schnell wir aufwachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die ruhige Sommerperiode geht zu Ende, uns stehen schwere Monate bevor, die Anzahl der COVID-infizierten Personen erh\u00f6ht sich drastisch. Trotz anstrengender Arbeit sind \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte und Rettungssanit\u00e4re nicht mehr in der Lage, die Pandemie allein zu bek\u00e4mpfen. Zu diesem Kampf werden wir alle, die ganze Bev\u00f6lkerung gebraucht. In den n\u00e4chsten Tagen-Wochen wird sich herausstellen, was f\u00fcr einen Winter, ein Jahresende wir haben werden, ob wir fr\u00f6hliche und sinnliche Weihnachten dieses Jahr feiern k\u00f6nnen, wie das neue Jahr aussehen wird.<\/p>\n<p>Durch unsere Taten von heute k\u00f6nnen wir die Zukunft beeinflussen, deshalb sind unsere Taten von heute \u00e4u\u00dferst wichtig.<\/p>\n<p>Bei denjenigen, die heute infiziert werden, treten die Symptome erst in vier-f\u00fcnf Tagen auf, beim schweren Verlauf der Krankheit werden die Patienten in einer Woche ins Krankenhaus geliefert. In den schwierigsten F\u00e4llen m\u00fcssen die Patienten mit bilateraler Pneumonie durchschnittlich drei bis sechs Wochen beatmet werden. D.h. die Anzahl der Krankenhausaufenthalte, der an Intensivstationen behandelten F\u00e4lle, sowie die Anzahl der Todesf\u00e4lle, die in den Schlagzeilen erscheinen, sind meistens 1-6 Wochen alte Angaben.<\/p>\n<p>Ign\u00e1c Semmelweis formulierte wie folgt: \u201eSollte das Bekenntnis zwar sehr schmerzhaft und erdr\u00fcckend sein, kann die Leugnung der Tatsache nicht die richtige L\u00f6sung sein.\u201c In der ersten Jahresh\u00e4lfte konnte unsere Verteidigung erfolgreich sein, weil die schnellen Regierungsentscheidungen bei Bev\u00f6lkerung sofort umgesetzt wurden, und auch die Regelungen wurden eingehalten. Wir waren diszipliniert und aufmerksam. Dadurch konnten wir die Anzahl unserer Kontaktf\u00e4llen um sechzig-neunzig Prozent verringern. Dies ber\u00fchrte unsere Seele tief, nicht gesprochen \u00fcber die Personen, die ihre Arbeitspl\u00e4tze oder Einnahmen wegen Lockdown verloren.<\/p>\n<p>Wir waren jedoch f\u00e4hig, die Beschr\u00e4nkungen einzuhalten, so konnten wir die Pandemie noch vor ihrem Ausbruch in Ungarn bremsen. Durch diesen Lockdown war aber unsere Wirtschaft und unsere Welt so stark zerst\u00f6rt sowie die Familien zerr\u00fcttet, dass wir noch ein \u00e4hnliches komplexes restriktives Ma\u00dfnahmenpaket nicht mehr bekommen m\u00f6chten. Dies hat aber seinen Preis, und das ist die Anpassung und die tempor\u00e4re Selbstbeschr\u00e4nkung.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Bis zur Ankunft der Schutzimpfung haben wir mit dem Virus zusammenzuleben; wir m\u00fcssen aber dar\u00fcber im Klaren sein, wie wir auf uns selbst, auf unsere Umwelt aufpassen sollten.<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling kannten wir das Virus noch nicht, heute wissen wir schon, wo es eine wahre Vernichtung anrichten kann, wann es besonders gef\u00e4hrlich ist, so k\u00f6nnen wir uns auf seine D\u00e4mmung vorbereiten. Weil das Land nur durch gro\u00dfe Schwierigkeiten und Opferbereitschaft wieder zu schlie\u00dfen ist \u2013 wie es w\u00e4hrend der ersten Welle der Pandemie gemacht wurde \u2013 haben wir die gemeinsame Verantwortung, um es zu vermeiden.<\/p>\n<p>Ich empfehle Ihnen, damit wir die Gefahr nicht verneinen, wir m\u00fcssen zugeben, dass sie wahr ist. Wir haben also alles daf\u00fcr zu tun, damit wir der Erkrankung entgehen k\u00f6nnen. Wir k\u00f6nnen zwar nicht beurteilen, was f\u00fcr eine Immunantwort unser K\u00f6rper auf die Infektion gibt. Es ist ja recht unterschiedlich und unvorhersagbar, wie das Virus auf einen wirkt. Wir wissen aber, dass die \u00e4lteren Leute, diejenigen, die chronische, kardiologische, onkologische Probleme haben, oder Diabetiker sind, mehr gef\u00e4hrdet sind. Trotzdem kann man nicht behaupten, dass alle Jugendlichen die Infektion symptomenfrei \u00fcberstehen. Auch die Aussage stimmt nicht, dass das Covid-19 nur auf chronisch Erkrankten gef\u00e4hrlich ist, und man durch gesunde Lebensweise vor Krankenhausbehandlung sicher gesch\u00fctzt ist. Leider habe ich schon mehrere drei\u00dfig-vierzigj\u00e4hrige gesunde, fitte Leute ans Beatmungsger\u00e4t gebunden gesehen.<\/p>\n<p>Nach Meinung von vielen Experten kann bei der medikament\u00f6sen Vorbeugung das wichtigste Mittel die Einnahme von Vitamin D sein. F\u00fcr die Erwachsenen empfehle ich t\u00e4glich 3000 IE (internationale Einheit); f\u00fcr Kinder unter 12 Jahren 500 IE pro Tag; es lohnt sich aber, mit dem Kinderarzt dar\u00fcber zu konsultieren. Selbstverst\u00e4ndlich sind das Fittsein, die gute Kondition und die gesunde ausgewogene Ern\u00e4hrung auch wichtig. Die Coronavirus-Infektion kann unseren K\u00f6rper auf\u00a0 zweierlei Weise sch\u00e4digen: in manchen F\u00e4llen f\u00fchrt sie zu einer starken Immunreaktion; in anderen F\u00e4llen zu einer schwachen Immunantwort. Die Ursache f\u00fcr die starke Immunantwort ist der sogenannte Zytokinsturm, die zu schwerer Pneumonie und Sch\u00e4digung von mehreren Organen f\u00fchren kann. Die andere Reaktion ist \u2013 sie bildet sich eher bei \u00e4lteren Leuten heraus \u2013 wenn sich die Grundkrankheit verschlechtert, wie z.B. bei Herz- und Kreislaufproblemen, Nierenerkrankung oder onkologischen Problemen; d.h. der wahre Grund f\u00fcr den Tod ist die Verschlechterung der Grunderkrankung. \u00a0<\/p>\n<p>Die Behandlungsm\u00f6glichkeiten der mittelschweren und schweren Corona-Erkrankungen sind viel umfangreicher als fr\u00fcher. Das durch die ungarische Fa. Richter Gedeon Nyrt. hergestellte Remdesivir, der inzwischen auch die FDA-Zertifizierung erhielt, ist ein wirksames Mittel, das die Vermehrung des Virus in den K\u00f6rperzellen verhindert. Durch eine rechtzeitig begonnene kombinierte Behandlung \u2013 wo das Remdesivir mit Zugabe von Dexamethason (Steroid, das das Immunsystem regelt) und mit Zugabe von Blutplasma und Blutverd\u00fcnnern kombiniert wird \u2013 kann der Zeitraum des Krankenhausaufenthaltes verringert und die \u00dcberlebenschancen erh\u00f6ht werden. Weiterhin spielen bei der optimalen Behandlung der Patienten die High-Flow-Sauerstofftherapie, die nicht-invasive und invasive Beatmung, die Physiotherapie ebenso eine wichtige Rolle. In leichteren F\u00e4llen kann ein anderes antivirales Mittel, das Favipiravir zur Heilung auch beitragen.<\/p>\n<p>Die authentische und verst\u00e4ndliche Kommunikation und das beispielgebende Verhalten sind ebenso sehr wichtig. Wir d\u00fcrfen uns nicht von der Angst und Passivit\u00e4t leiten lassen, sondern sollten auf Bewusstheit, auf die individuelle und gemeinschaftliche Solidarit\u00e4t und auf verantwortungsbewusstes Verhalten bauen. Wir brauchen die Jugendlichen, wir m\u00fcssen sie ansprechen, damit sie im Verteidigungskampf mithelfen. Es muss allen bewusst gemacht werden, dass niemand Schuld an Verbreitung des Virus ist. Wir haben unsere Mitb\u00fcrger zu \u00fcberzeugen, damit wir miteinander kooperieren sollten und werden mit dem Semmelweis-Programm 2.1 starten, um die zweite Welle bremsen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir sollten die rasante Verbreitung des Virus verlangsamen. Die Pandemie kann nur durch die \u2013 hoffentlich innerhalb kurzer Zeit zur Verf\u00fcgung stehende \u2013 Schutzimpfung komplett gestoppt werden. Bis dahin liegt in unserem gemeinsamen Interesse, damit die Anzahl der Kontakte verringert wird. Wir d\u00fcrften nur diejenigen treffen, bei denen es unbedingt n\u00f6tig ist. Wir sollten auf Reisen und Partys verzichten. Wenn wir miteinander kooperieren und die grundlegenden Regelungen (das Maskentragen von Kindern und Erwachsenen sowohl in Innen- als auch in Au\u00dfenbereichen) einhalten \u00a0\u2013 falls der Abstand von eineinhalb Metern um uns nicht zu halten ist \u2013 dann werden wir erfolgreich.<\/p>\n<p>F\u00fcr D\u00e4mmung der Pandemie w\u00e4re\u00a0 ein Riesenergebnis, wenn das Maskentragen auf Niveau von achtzig Prozent erh\u00f6ht werden k\u00f6nnte. Und der dritte Faktor in unserem Verteidigungskampf ist: wir m\u00fcssen in jeder Stunde einmal\u00a0 unsere H\u00e4nde waschen (\u201eSemmelweis-H\u00e4ndewaschen\u201c), sie desinfizieren, den Sicherheitsabstand halten, sowie auf Umarmung und H\u00e4ndesch\u00fctteln verzichten.<\/p>\n<p>Der wichtigste Faktor jedoch ist, damit wir uns zusammenhalten. Beim Auftreten folgender Symptome \u2013 wie Entz\u00fcndung der oberen Atemwege, Fieber, Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn \u2013 d\u00fcrfen wir nicht zur Arbeit, in Gesellschaft gehen, unsere Kinder sollten auch zu Hause bleiben. Das wichtigste ist unsere Gesundheit!<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchling gedachten der US-Nachrichtenkanal CNN und das Google dem ungarischen Arzt Ign\u00e1c Semmelweis. Der als Retter der M\u00fctter bekannt gewordene, weltweit ber\u00fchmte ungarische Arzt machte zuerst auf die Wichtigkeit des H\u00e4ndewaschens und der H\u00e4ndedesinfektion aufmerksam. \u201eMit meinen Unterrichten habe ich das Ziel, damit die Lehrer der medizinischen Wissenshaften allen \u2013 medizinischen Fachleuten, Pflegekr\u00e4ften, den letzten Badern und Dorfhebammen \u2013 beibringen, sie sollten ausschlie\u00dflich entsprechend dem unterrichteten Lehrstoff arbeiten. Ich habe das Ziel, damit die Frau f\u00fcr ihren Mann, die Mutter f\u00fcr ihr Kind gerettet wird\u201c\u00a0 \u2013 sagte Ign\u00e1c Semmelweis.<\/p>\n<p>Seine Worte sind gegenw\u00e4rtig, w\u00e4hrend der Corona-Pandemie \u2013 wenn die Anzahl der Erkrankungen und der im Krankenhaus behandelten Personen besonders hoch ist \u2013 au\u00dferordentlich wichtig. Wir m\u00fcssen die Mutter, den Vater, den Mann, die Frau, die Gro\u00dfeltern und das Kind f\u00fcreinander retten, um die Weihnachten im Familienkreis zusammen feiern k\u00f6nnen. Und wir d\u00fcrfen nicht vergessen: die Wirklichkeit darf nicht versch\u00f6nert werden.<\/p>\n<p>Der Autor ist Universit\u00e4tsprofessor, Rektor der Semmelweis Universit\u00e4t<\/p>\n<p>Quelle: Magyar Nemzet<br \/>\n\u00dcbersetzung: Judit Szlov\u00e1k<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eTrotz anstrengender Arbeit sind die \u00c4rzte, Pflegekr\u00e4fte und Rettungssanit\u00e4re allein nicht f\u00e4hig, die Pandemie zu bek\u00e4mpfen. Dazu ist auch unsere Unterst\u00fctzung gebraucht. 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