{"id":40803,"date":"2026-09-30T06:00:35","date_gmt":"2026-09-30T04:00:35","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=40803"},"modified":"2026-09-29T16:39:18","modified_gmt":"2026-09-29T14:39:18","slug":"von-budapest-nach-bern-der-werdegang-eines-forensischen-psychiaters-durch-medizin-recht-und-geopsychiatrie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2026\/09\/30\/von-budapest-nach-bern-der-werdegang-eines-forensischen-psychiaters-durch-medizin-recht-und-geopsychiatrie\/","title":{"rendered":"Von Budapest nach Bern: Der Werdegang eines forensischen Psychiaters durch Medizin, Recht und Geopsychiatrie"},"content":{"rendered":"<div class=\"lead\">Im neuesten Teil unserer <a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/tag\/alumni-portraits\/\">Alumni-Interviewreihe<\/a> blickt Dr. Michael Liebrenz, au\u00dferordentlicher Professor f\u00fcr Forensische Psychiatrie und Leiter des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes (FPD) an der Universit\u00e4t Bern sowie Vorsitzender des Internationalen Instituts f\u00fcr Geopsychiatrie, auf seine Jahre an der Semmelweis Universit\u00e4t und auf seine anschlie\u00dfende T\u00e4tigkeit in den Bereichen forensische Psychiatrie, Geopsychiatrie und Sportpsychiatrie zur\u00fcck.<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-40808\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"1707\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-scaled.jpg 2560w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/Michael-Liebrenz-Portrait-203x135.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Was hat Sie dazu bewogen, Ihr Medizinstudium an der Semmelweis Universit\u00e4t zu beginnen?<\/strong><\/p>\n<p>Budapest war meine erste Wahl, auch wenn mein Weg etwas unkonventionell verlief. Ich wuchs in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) auf, und das war nur wenige Jahre nach der Wiedervereinigung. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich mehrere renommierte Universit\u00e4ten in Westdeutschland anrief und oft gefragt wurde: \u201eWarum bleiben Sie nicht im Osten?\u201c<\/p>\n<p>In Budapest war das anders. Entscheidend war, ob ich die akademischen Anforderungen erf\u00fcllen konnte, was mir bemerkenswert meritokratisch erschien. Ich stamme aus einer Medizinerfamilie, daher kam mir die Struktur des fr\u00fchen Studienplans vertraut vor, weil sie der Tradition der medizinischen Ausbildung, die zu Hause gerade reformiert wurde, \u00e4hnlich war.<\/p>\n<p>Ich fand Budapest faszinierend. Nach 1989 durchlief Ungarn einen grundlegenden politischen Wandel. Leider war mein Ungarisch nie gut genug f\u00fcr all die Gespr\u00e4che, die ich gerne gef\u00fchrt h\u00e4tte, dennoch f\u00fchlte ich mich verbunden mit Menschen, deren Biographien von der Geschichte auf eine Weise umgeschrieben worden waren, die einer in der DDR aufgewachsenen Person vertraut war.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Studienkultur an der Semmelweis war anspruchsvoll. Der Stoffumfang war enorm, und Budapest hat mir vielleicht eine der wichtigsten F\u00e4higkeiten vermittelt: wie man lernt. Ich habe gelernt, wie man eine einsch\u00fcchternde Menge an Wissen in etwas \u00dcberschaubares verwandelt.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Als ich sp\u00e4ter mein Studium an der LMU M\u00fcnchen fortsetzte, insbesondere als m\u00fcndliche Pr\u00fcfungen im letzten Staatsexamen wieder eine zentrale Rolle spielten, begegnete mir etwas, das mir aus meiner Zeit in Budapest sehr bekannt vorkam: vor Pr\u00fcfern zu stehen, mein Wissen zu ordnen, Zusammenh\u00e4nge herzustellen und meine Argumentation zu erl\u00e4utern. Da wurde mir klar, dass mich die Demonstrationen, Kolloquien und Rigorosa an der Semmelweis Universit\u00e4t in mehr als nur Faktenwissen geschult hatten.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte den Druck, den wir erlebten, nicht romantisieren. W\u00e4hrend meiner zwei Jahre in Budapest erkrankte ich einmal an Salmonellose und musste trotzdem meine Pr\u00fcfungen bew\u00e4ltigen. Aber die Semmelweis lehrte mich Disziplin, Selbstorganisation und das Vertrauen darauf, dass sich auch sehr komplexe Probleme in kleine Schritte zerlegen und meistern lassen.<\/p>\n<p><strong>Erinnern Sie sich an bestimmte Professoren oder Mentoren von der Semmelweis Universit\u00e4t, die einen bleibenden Einfluss auf Sie hatten?<\/strong><\/p>\n<p>Da f\u00e4llt mir sofort Professor \u00c1goston Sz\u00e9l ein. Er unterrichtete Anatomie in unserer Seminargruppe und wurde sp\u00e4ter Institutsleiter sowie Rektor der Semmelweis Universit\u00e4t. Trotz seiner akademischen Erfolge betrachtete er die Lehre im Grundstudium nicht als weniger wichtig, auch wenn seine wissenschaftliche Karriere voranschritt. Wenn ich heute Studierende betreue oder unterrichte, versuche ich, seinem Beispiel zu folgen. Dr. \u00c1goston Sz\u00e9l hat gezeigt, dass eine ehrgeizige akademische Karriere und pers\u00f6nliches Engagement f\u00fcr Studierende sich nicht gegenseitig ausschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Es gibt noch einen viel pers\u00f6nlicheren Grund, warum mir die Semmelweis bis heute wichtig geblieben ist. Meine zuk\u00fcnftige Frau Ana war in meiner Seminargruppe, und seitdem begleiten wir uns gegenseitig auf unserem pers\u00f6nlichen und beruflichen Weg.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Mir ist auch aufgefallen, wie weitreichend die Semmelweis-Gemeinschaft ist. Ich habe Kollegen auf der ganzen Welt kennengelernt und festgestellt, dass auch sie in Budapest studiert hatten. Fast drei Jahrzehnte sp\u00e4ter sto\u00dfe ich immer noch auf Spuren von Budapest an Orten, an denen ich es niemals erwartet h\u00e4tte.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Gab es einen bestimmten Moment oder eine bestimmte Erfahrung w\u00e4hrend Ihrer medizinischen Ausbildung, die Sie dazu bewogen hat, eine Karriere in der Psychiatrie einzuschlagen?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-40810\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2-203x135.jpg 203w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/289b7a29-5b39-4b96-8951-0d39eb8aa50c_2.jpg 1793w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>Die Anzeichen waren von Anfang an da. Ich habe noch immer mein altes \u201eleckek\u00f6nyv\u201c, das kleine schwarze Studienbuch, in dem unsere Kurse und Noten festgehalten wurden. Mir ist aufgefallen, dass Medizinische Psychologie und Soziologie zu den F\u00e4chern geh\u00f6rten, in denen ich an der Semmelweis Universit\u00e4t meine besten Noten erhielt. Es waren Nebenf\u00e4cher im Curriculum, aber ich fand sie faszinierend und wurde von den Lehrenden sehr ermutigt.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter, w\u00e4hrend meiner klinischen Ausbildung, wurde mir klar, dass es mir Spa\u00df machte, etwas \u00fcber die Geschichte der Patient:innen zu erfahren und mehr als nur ihre Symptome zu verstehen \u2013 darunter, woher jemand kam, was in seinem Leben passiert war und wie all dies mit seiner Erkrankung zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnte. Die Psychiatrie erm\u00f6glichte es mir schlie\u00dflich, diesen Fragen besser nachzugehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend meiner ersten Nachtschicht als Assistenzarzt an der Psychiatrischen Universit\u00e4tsklinik Z\u00fcrich war ich pl\u00f6tzlich f\u00fcr ein Krankenhaus mit 300 Betten verantwortlich. Irgendwann in dieser Nacht dachte ich an Budapest zur\u00fcck. Die Semmelweis Universit\u00e4t hatte mir schon fr\u00fch beigebracht, dass selbst eine Situation, die zun\u00e4chst \u00fcberw\u00e4ltigend erscheint, systematisch angegangen werden kann.<\/p>\n<p><strong>Viele junge \u00c4rzt:innen z\u00f6gern, sich auf sehr enge Fachgebiete zu spezialisieren. Was hat Sie davon \u00fcberzeugt, dass die forensische Psychiatrie der richtige Weg f\u00fcr Sie ist?<\/strong><\/p>\n<p>Mich hat die Schnittstelle zwischen Medizin, Psychiatrie und Recht in der forensischen Psychiatrie fasziniert. Selbst wenn jemand eine schwere Straftat begeht, besteht die Aufgabe des Psychiaters nicht darin, zu entscheiden, ob diese Person \u201eb\u00f6se\u201c ist. Wir stellen andere Fragen: Liegt eine psychische St\u00f6rung vor? Hat sie das Verhalten der Person beeinflusst, und was l\u00e4sst sich vern\u00fcnftigerweise \u00fcber zuk\u00fcnftige Risiken sagen? Kann eine Behandlung daran etwas \u00e4ndern? Wo liegen die Grenzen unserer F\u00e4higkeit, vorherzusagen, was ein anderer Mensch tun wird?<\/p>\n<p>Diese Verbindung zwischen den Disziplinen hat mir schon immer Spa\u00df gemacht. Mein Werdegang umfasste Sozial- und forensische Psychiatrie in der Schweiz, psychiatrische Begutachtung und einen Aufenthalt als Gastwissenschaftler an der Columbia University in New York, bevor ich Professor und Leiter des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes (FPD) an der Universit\u00e4t Bern wurde. Diese Interdisziplinarit\u00e4t hat meine wissenschaftliche Arbeit in die Bereiche k\u00fcnstliche Intelligenz, digitale psychische Gesundheit, Geopsychiatrie und zuletzt Sportpsychiatrie gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit mit Spitzensportler:innen und -organisationen, darunter die Union Cycliste Internationale und Swiss Cycling, hat mein Interesse an \u00dcbergangsphasen wie Verletzungen, Genesung und Karriereende geweckt. Au\u00dfergew\u00f6hnliche k\u00f6rperliche Leistungen sch\u00fctzen niemanden vor psychischen Erkrankungen. Um eine wirksame psychiatrische Versorgung zu gew\u00e4hrleisten, ist es entscheidend, die besonderen Herausforderungen und Realit\u00e4ten des Spitzensports zu verstehen. Anstatt lediglich standardisierte klinische Modelle an diesen Kontext anzupassen, ist es unerl\u00e4sslich, den Ansatz auf die spezifischen Bed\u00fcrfnisse dieser Sportler:innen zuzuschneiden.<\/p>\n<p><strong>Sie besch\u00e4ftigen sich mit dem aufstrebenden Gebiet der Geopsychiatrie. K\u00f6nnten Sie dieses Konzept erl\u00e4utern und erkl\u00e4ren, warum es heute von Bedeutung ist?<\/strong><\/p>\n<p>In der Medizin m\u00fcssen wir Genetik, Neurobiologie, individuelle Psychologie und das soziale Umfeld einer Person ber\u00fccksichtigen. Das Umfeld reicht jedoch \u00fcber Familie, Arbeitsplatz und Wohngegend hinaus. Krieg, Migration, wirtschaftliche Ungleichheit, Klimawandel und der Zugang zu Ressourcen k\u00f6nnen letztlich die psychische Gesundheit jedes Einzelnen beeinflussen. Die Geopsychiatrie wendet das biopsychosoziale Modell auf diese Makroebene an.<\/p>\n<p>Meine fr\u00fchere Arbeit in der Sozialpsychiatrie mit Menschen, die mit Suchterkrankungen und Doppeldiagnosen zu k\u00e4mpfen hatten, sowie meine sp\u00e4teren Erfahrungen in der forensischen Psychiatrie und mit inhaftierten Migrant:innen weckten zunehmend mein Interesse an diesen kontextuellen Faktoren. Ich finde es faszinierend, dass Psychiater:innen in Buenos Aires, Kairo, Neu-Delhi, Shanghai oder Bern \u00fcber dieselben St\u00f6rungen diskutieren k\u00f6nnen, obwohl die Kontexte, in denen sich diese St\u00f6rungen entwickeln und in denen die Versorgung stattfindet, grundlegend unterschiedlich sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Dies trug schlie\u00dflich zur Gr\u00fcndung des Internationalen Instituts f\u00fcr Geopsychiatrie bei. Entstanden aus der Arbeit an der Universit\u00e4t Bern, verbindet das Institut heute Kolleg:innen und Kooperationszentren auf der ganzen Welt.<\/p>\n<p><strong>Auf welche Erfolge oder Leistungen sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere zur\u00fcckblicken?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-40807\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-683x1024.jpg 683w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-768x1152.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18-753x1130.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/aa7ea94c-f911-4ba4-a15f-0f7616a26e18.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/a>Von au\u00dfen betrachtet l\u00e4sst sich eine akademische Karriere relativ leicht messen. Mit 30 wurde ich Oberarzt und mit 36 Professor. Am stolzesten bin ich jedoch darauf, zu sehen, wie die Menschen, die ich betreuen durfte, auf eigenen Beinen stehen, zu unabh\u00e4ngigen Forscher:innen werden und selbst zu Professor:innen ernannt werden. Das ist f\u00fcr mich eine der bedeutungsvollsten Formen akademischer Wirkung: Wissen und Ideen, die durch Menschen weiterleben.<\/p>\n<p>Auf meine anderen Errungenschaften bin ich stolz, weil sie zeigen, dass akademische Arbeit \u00fcber den universit\u00e4ren Rahmen hinausreichen kann. So trug beispielsweise unsere Forschung zu Substanzgebrauchsst\u00f6rungen 2019 zu grundlegenden \u00c4nderungen in der Rechtsprechung des Schweizerischen Bundesgerichts bei. Viele Jahre lang wurden Menschen mit Suchterkrankungen bei der Beurteilung der Erwerbsunf\u00e4higkeit anders behandelt als Patient:innen mit anderen psychiatrischen St\u00f6rungen. Einige der Arbeiten, die sich letztlich am wichtigsten erwiesen, wurden nicht in einflussreichen internationalen medizinischen Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht, sondern in Schweizer juristischen Fachzeitschriften, wodurch sie das Publikum erreichten, das die bestehende Praxis \u00e4ndern konnte.<\/p>\n<p>In j\u00fcngerer Zeit habe ich in meiner Funktion als Pr\u00e4sident der Eidgen\u00f6ssischen Kommission f\u00fcr Qualit\u00e4tssicherung in der medizinischen Begutachtung einen \u00e4hnlichen Prozess auf institutioneller Ebene beobachtet, bei dem Fragen zur Qualit\u00e4t medizinischer Begutachtungen schlussendlich bis ins Schweizer Parlament gelangten.<\/p>\n<p>Ein weiterer wertvoller Aspekt ist die Bereitschaft, fr\u00fche Entwicklungen zu erforschen \u2013 von meiner Doktorarbeit \u00fcber die wiederholte Ketaminbehandlung bei therapieresistenter Depression im Jahr 2007 bis hin dazu, dass wir Anfang 2023 zu den ersten medizinischen Gruppen geh\u00f6rten, die sich mit generativen KI-Chatbots und deren Auswirkungen auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Anna Zs. T\u00f3th \u2013 Direktorat f\u00fcr Internationale Beziehungen und Alumni-Angelegenheiten<br \/>\n\u00dcbersetzung: Dr. Bal\u00e1zs Csizmadia<br \/>\nFoto: Dr. Michael Liebrenz<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dr. Michael Liebrenz reflektiert dar\u00fcber, wie sein Studium an der Semmelweis seine Karriere gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n","protected":false},"author":102369,"featured_media":40809,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78],"tags":[140,118],"class_list":["post-40803","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","tag-alumni-portraits","tag-internationale-beziehungen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40803","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/102369"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40803"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40803\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40812,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40803\/revisions\/40812"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40809"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40803"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40803"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40803"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}