{"id":40789,"date":"2026-10-02T06:00:41","date_gmt":"2026-10-02T04:00:41","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=40789"},"modified":"2026-10-02T08:05:51","modified_gmt":"2026-10-02T06:05:51","slug":"vernachlaessigung-in-der-kindheit-kann-das-risiko-fuer-suizidversuche-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2026\/10\/02\/vernachlaessigung-in-der-kindheit-kann-das-risiko-fuer-suizidversuche-erhoehen\/","title":{"rendered":"Vernachl\u00e4ssigung in der Kindheit kann das Risiko f\u00fcr Suizidversuche erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Forscherinnen und Forscher der Semmelweis Universit\u00e4t untersuchten den Zusammenhang zwischen Traumata in der Kindheit und dem Suizidrisiko im Erwachsenenalter bei 300 station\u00e4r behandelten psychiatrischen Patientinnen und Patienten. Einer im <em>European Journal of Psychotraumatology<\/em> <\/strong><a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/20008066.2026.2697561#abstract\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>ver\u00f6ffentlichten Studie<\/strong><\/a><strong> zufolge k\u00f6nnten sowohl emotionale als auch k\u00f6rperliche Vernachl\u00e4ssigung mit wiederholten Suizidversuchen in Zusammenhang stehen. W\u00e4hrend sich fr\u00fchere ungarische und internationale Studien vor allem mit den Folgen k\u00f6rperlicher und sexueller Misshandlung befasst haben, wurde der Einfluss verschiedener Formen von Vernachl\u00e4ssigung bislang weniger untersucht.<\/strong><\/p>\n<p>Misshandlung und Vernachl\u00e4ssigung in der Kindheit sowie suizidales Verhalten stellen bedeutende Herausforderungen f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit dar. Zahlreiche fr\u00fchere Studien haben den Zusammenhang zwischen diesen Faktoren best\u00e4tigt. Weniger bekannt ist jedoch, wie bestimmte Formen von Kindheitstraumata mit wiederholten Suizidversuchen zusammenh\u00e4ngen. Die Forschenden untersuchten zudem, ob sich Personen mit einem einmaligen Suizidversuch hinsichtlich ihrer Kindheitstraumata von Personen mit mehreren Suizidversuchen unterschieden.<\/p>\n<p>Unter den 300 in die Studie einbezogenen psychiatrischen Patientinnen und Patienten war emotionale Vernachl\u00e4ssigung die h\u00e4ufigste Form von Kindheitstrauma (93 Prozent). Mehr als 90 Prozent der Teilnehmenden berichteten zudem von mindestens zwei unterschiedlichen Formen von Kindheitstraumata. Die Studie zeigte, dass verschiedene Traumata h\u00e4ufig gemeinsam auftreten und sich ihre Auswirkungen summieren k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus war ein h\u00f6heres Ausma\u00df k\u00f6rperlicher Vernachl\u00e4ssigung mit einer gr\u00f6\u00dferen Wahrscheinlichkeit wiederholter Suizidversuche verbunden. Da die Untersuchung unter station\u00e4r behandelten psychiatrischen Patientinnen und Patienten durchgef\u00fchrt wurde, lassen sich die Ergebnisse nicht auf die Gesamtbev\u00f6lkerung \u00fcbertragen.<\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40792 alignleft\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS243539_Szeifert-masolat_scl-2-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"171\" height=\"257\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS243539_Szeifert-masolat_scl-2-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS243539_Szeifert-masolat_scl-2.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 171px) 100vw, 171px\" \/>\u201eUnsere Ergebnisse zeigen, dass Vernachl\u00e4ssigung schwerwiegende und langfristige Folgen haben kann. Daher sollte ihre Bedeutung keinesfalls untersch\u00e4tzt werden\u201c,<\/em> erkl\u00e4rte No\u00e9mi Szeifert, klinische Psychologin am Szent R\u00f3kus Gesundheitszentrum der Semmelweis Universit\u00e4t und Erstautorin der Studie.<\/p>\n<p>Von Vernachl\u00e4ssigung spricht man, wenn die grundlegenden k\u00f6rperlichen oder emotionalen Bed\u00fcrfnisse eines Kindes dauerhaft unerf\u00fcllt bleiben. Emotionale Vernachl\u00e4ssigung bedeutet einen anhaltenden Mangel an emotionaler Unterst\u00fctzung und Sicherheit. K\u00f6rperliche Vernachl\u00e4ssigung bezeichnet hingegen das fortgesetzte Vers\u00e4umnis, die grundlegenden k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfnisse eines Kindes zu erf\u00fcllen, etwa hinsichtlich angemessener Ern\u00e4hrung, Kleidung oder medizinischer Versorgung.<\/p>\n<p>Gleichzeitig weist die Studie darauf hin, dass kein unmittelbarer Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Kindheitstraumata und sp\u00e4terem suizidalem Verhalten nachgewiesen werden kann. Suizidales Verhalten ist ein komplexes Ph\u00e4nomen, das durch das Zusammenwirken biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren beeinflusst wird. Kindheitstraumata k\u00f6nnen die langfristige Verletzlichkeit erh\u00f6hen und sp\u00e4ter mit psychischen Erkrankungen sowie problematischem Substanzkonsum in Zusammenhang stehen. Diese sp\u00e4teren Folgen k\u00f6nnen jedoch auch durch zahlreiche Schutzfaktoren beeinflusst werden, etwa durch stabile famili\u00e4re und soziale Beziehungen.<\/p>\n<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-40793 alignright\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS209761_GV5A8087_scl-2-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"183\" height=\"275\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS209761_GV5A8087_scl-2-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/09\/RS209761_GV5A8087_scl-2.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 183px) 100vw, 183px\" \/>\u201eObwohl unsere Studie den Zusammenhang zwischen fr\u00fchen Traumata und dem Suizidrisiko im Erwachsenenalter st\u00fctzt, ist weitere Forschung erforderlich, um genauer zu verstehen, welche Faktoren diesen Zusammenhang erkl\u00e4ren\u201c,<\/em> sagte Dr. X\u00e9nia Gonda, au\u00dferordentliche Professorin und Leiterin des Lehrstuhls f\u00fcr Klinische Psychologie an der Semmelweis Universit\u00e4t sowie Letztautorin der Studie.<\/p>\n<p>Misshandlung und Vernachl\u00e4ssigung in der Kindheit weisen nicht immer eindeutige, leicht erkennbare Anzeichen auf. Bestimmte Ver\u00e4nderungen k\u00f6nnen jedoch Warnsignale sein, auch wenn ein Kind nicht \u00fcber seine Erfahrungen spricht. Dazu z\u00e4hlen erhebliche oder anhaltende Verhaltens\u00e4nderungen, verst\u00e4rkte Angst, sozialer R\u00fcckzug oder das Meiden von Aktivit\u00e4ten, die zuvor Freude bereitet haben, einschlie\u00dflich sozialer und gemeinschaftlicher Aktivit\u00e4ten. Diese Anzeichen allein beweisen nicht, dass ein Kind Misshandlung oder Vernachl\u00e4ssigung erlebt. Sie k\u00f6nnen jedoch darauf hindeuten, dass das Kind belastet ist und Unterst\u00fctzung ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Misshandlung und Vernachl\u00e4ssigung bleiben jedoch h\u00e4ufig verborgen, weil viele Betroffene aus Angst oder aus Sorge vor den m\u00f6glichen Folgen nicht \u00fcber ihre Erlebnisse sprechen. <a href=\"https:\/\/www.akjournals.com\/view\/journals\/650\/164\/37\/article-p1447.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Einer fr\u00fcheren Sch\u00e4tzung aus Ungarn zufolge<\/a> wird nur jeder drei\u00dfigste Fall von Kindesmisshandlung oder Vernachl\u00e4ssigung in offiziellen Statistiken erfasst.<\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p><em>Wenn Sie selbst oder jemand in Ihrem Umfeld in einer Krise ist, wenden Sie sich bitte an eine \u00f6rtliche Krisen- oder psychosoziale Beratungsstelle.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<p>B\u00e1lint Gy\u0151rfi<br \/>\nFoto: M\u00e1rta Csorba; Bogl\u00e1rka Zellei \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\nBeitragsbild: iStock von Getty Images \/ fiorigianluigi<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscherinnen der Semmelweis Universit\u00e4t untersuchten den Zusammenhang zwischen Traumata in der Kindheit und dem Suizidrisiko.<\/p>\n","protected":false},"author":102681,"featured_media":40791,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78,70],"tags":[85,72],"class_list":["post-40789","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-x-fokuszban","tag-forschung","tag-presse"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40789","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/102681"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40789"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40789\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40820,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40789\/revisions\/40820"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40791"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40789"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40789"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40789"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}