{"id":40341,"date":"2026-06-10T06:00:11","date_gmt":"2026-06-10T04:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=40341"},"modified":"2026-06-09T13:41:54","modified_gmt":"2026-06-09T11:41:54","slug":"es-ist-nicht-egal-mit-welcher-fluessigkeit-man-medikamente-einnimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2026\/06\/10\/es-ist-nicht-egal-mit-welcher-fluessigkeit-man-medikamente-einnimmt\/","title":{"rendered":"Es ist nicht egal, mit welcher Fl\u00fcssigkeit man Medikamente einnimmt"},"content":{"rendered":"<div class=\"lead\">Bestimmte alkalische Mineral- und Heilw\u00e4sser k\u00f6nnen den magensaftresistenten \u00dcberzug von Arzneimitteln bereits innerhalb weniger Minuten beeintr\u00e4chtigen und dadurch ihre Wirksamkeit verringern. Dies zeigt eine <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1999-4923\/18\/4\/453\">neue Studie<\/a> der Semmelweis Universit\u00e4t. Die in der Fachzeitschrift <em>Pharmaceutics<\/em> ver\u00f6ffentlichte Untersuchung ergab, dass eine zu fr\u00fche Freisetzung des Wirkstoffs im Magen statt erst im Darm die Wirksamkeit bestimmter Refluxmedikamente, magensch\u00fctzender Pr\u00e4parate, psychiatrischer Arzneimittel oder entz\u00fcndungshemmender Schmerzmittel verringern kann \u2013 in extremen F\u00e4llen sogar vollst\u00e4ndig aufheben k\u00f6nnte.\u00a0<\/div>\n<p>Forschende der Semmelweis Universit\u00e4t untersuchten, wie verschiedene Fl\u00fcssigkeiten magensaftresistente Arzneimittel beeinflussen. Insgesamt wurden 22 h\u00e4ufig konsumierte Getr\u00e4nke analysiert. Sieben davon \u2013 darunter mehrere Mineral- und Heilw\u00e4sser, Leitungswasser, gefiltertes Wasser sowie Apfelsaft \u2013 wurden unter Laborbedingungen detailliert untersucht.\u00a0\u00a0<\/p>\n<div class=\"keretes\">\n<p>Magensaftresistente Arzneimittel sind so konzipiert, dass der Wirkstoff nicht im Magen, sondern erst sp\u00e4ter im Darm freigesetzt wird. Dies ist wichtig, weil manche Wirkstoffe durch die Magens\u00e4ure abgebaut w\u00fcrden, w\u00e4hrend andere die Magenschleimhaut reizen k\u00f6nnen. Solche \u00dcberz\u00fcge werden unter anderem bei bestimmten Refluxmedikamenten, entz\u00fcndungshemmenden Schmerzmitteln und Verdauungsenzympr\u00e4paraten eingesetzt.<\/p>\n<\/div>\n<p>Die st\u00e4rksten Ver\u00e4nderungen zeigten sich bei alkalischen Flaschenw\u00e4ssern mit hohem Mineralstoffgehalt. Nach Angaben der Forschenden k\u00f6nnten nicht nur die Alkalit\u00e4t des Wassers, sondern auch dessen hoher Mineralstoff- und Ionengehalt zu einer schnelleren Aufl\u00f6sung des Schutz\u00fcberzugs beigetragen haben. Dieser Effekt war bei einigen Heilw\u00e4ssern besonders ausgepr\u00e4gt. In manchen F\u00e4llen begann der magensaftresistente \u00dcberzug bereits nach f\u00fcnf Minuten Schaden zu nehmen. Nach einer Vorinkubationszeit von 15 bis 30 Minuten waren teilweise bereits mehr als 90 Prozent des Wirkstoffs vorzeitig freigesetzt worden.<\/p>\n<p>S\u00e4urehaltigere Fl\u00fcssigkeiten verursachten dagegen deutlich weniger Sch\u00e4den am magensaftresistenten \u00dcberzug. Bei Apfelsaft wurde zu Beginn der Untersuchungen beispielsweise nahezu keine vorzeitige Wirkstofffreisetzung beobachtet, was darauf hindeutet, dass der \u00dcberzug wesentlich stabiler blieb als in alkalischen W\u00e4ssern.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237441_GV5A7944_scl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-40360\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237441_GV5A7944_scl-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237441_GV5A7944_scl-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237441_GV5A7944_scl.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/a>\u201eDas kleine Arzneimittelpartikel wei\u00df nicht, ob es sich bereits im Darm befindet oder noch in einem Glas liegt. Ist der pH-Wert der Umgebung \u00e4hnlich, kann sich der \u00dcberzug auf dieselbe Weise aufl\u00f6sen. F\u00fcr Fachleute ist es selbstverst\u00e4ndlich, Medikamente mit einfachem Leitungswasser einzunehmen. F\u00fcr Patientinnen und Patienten ist das heute jedoch nicht immer offensichtlich, da eine gro\u00dfe Auswahl an Mineral- und Heilw\u00e4ssern erh\u00e4ltlich ist\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Nikolett K\u00e1llai-Szab\u00f3, au\u00dferordentliche Professorin an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Pharmazeutische Wissenschaften der Semmelweis Universit\u00e4t und Seniorautorin der Studie.<\/p>\n<p>Die Forschenden analysierten au\u00dferdem die Fachinformationen (Summary of Product Characteristics, SmPCs) von 103 magensaftresistenten Arzneimitteln. In 42 F\u00e4llen wurde nicht angegeben, mit welcher Fl\u00fcssigkeit das Medikament eingenommen werden sollte. In weiteren 31 F\u00e4llen war lediglich von \u201eFl\u00fcssigkeit\u201c die Rede, w\u00e4hrend 21 Fachinformationen lediglich \u201eWasser\u201c ohne weitere Erl\u00e4uterung nannten. Nur neun SmPCs enthielten konkrete Empfehlungen dazu, mit welchem Getr\u00e4nk das Arzneimittel eingenommen oder vermischt werden sollte, beispielsweise mit Apfelsaft oder einer anderen leicht sauren Fl\u00fcssigkeit.\u00a0<\/p>\n<p>Besonders relevant k\u00f6nnten die Ergebnisse f\u00fcr Menschen sein, die aufgrund von Schluckbeschwerden Hartkapseln \u00f6ffnen und deren Inhalt mit Fl\u00fcssigkeiten, Joghurt oder Apfelmus vermischen. \u00c4ltere Menschen, Kinder sowie Patientinnen und Patienten mit vor\u00fcbergehenden Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden geraten h\u00e4ufig in eine solche Situation.\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-40365\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl-203x135.jpg 203w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/06\/RS237446_GV5A7975_scl.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/a>\u201eIn der Apotheke sehen wir regelm\u00e4\u00dfig, dass vielen Patientinnen und Patienten nicht bewusst ist, wie wichtig die Fl\u00fcssigkeit sein kann, mit der sie ihre Medikamente einnehmen. Auch dies kann sich darauf auswirken, ob eine Behandlung wie vorgesehen wirkt\u201c, sagt Adrienn Demeter, Doktorandin an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Pharmazeutische Wissenschaften der Semmelweis Universit\u00e4t und Erstautorin der Studie.\u00a0<\/p>\n<p>Die Forschenden betonen, dass die Ergebnisse nicht bedeuten, dass Mineral- oder Heilw\u00e4sser grunds\u00e4tzlich problematisch sind. Die wichtigste Botschaft lautet vielmehr, dass magensaftresistente Arzneimittel m\u00f6glichst mit einfachem Leitungswasser eingenommen werden sollten. Zudem sollte vor dem \u00d6ffnen von Kapseln oder dem Teilen von Tabletten R\u00fccksprache mit einer Apothekerin, einem Apotheker oder einer \u00c4rztin beziehungsweise einem Arzt gehalten werden.\u00a0<\/p>\n<p>R\u00f3bert Cseszregi<br \/>\nFoto: Bogl\u00e1rka Zellei \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alkalische Mineralw\u00e4sser k\u00f6nnen die Wirksamkeit bestimmter magensaftresistenter Arzneimittel verringern.<\/p>\n","protected":false},"author":102533,"featured_media":40362,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78,70],"tags":[85,72],"class_list":["post-40341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-x-fokuszban","tag-forschung","tag-presse"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/102533"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40341"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40369,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40341\/revisions\/40369"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40362"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}