{"id":40186,"date":"2026-04-29T09:26:18","date_gmt":"2026-04-29T07:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=40186"},"modified":"2026-04-29T09:26:18","modified_gmt":"2026-04-29T07:26:18","slug":"erste-klinische-anwendung-der-intranasalen-muttermilchtherapie-bei-neugeborenen-mit-hirnverletzung-in-ungarn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2026\/04\/29\/erste-klinische-anwendung-der-intranasalen-muttermilchtherapie-bei-neugeborenen-mit-hirnverletzung-in-ungarn\/","title":{"rendered":"Erste klinische Anwendung der intranasalen Muttermilchtherapie bei Neugeborenen mit Hirnverletzung in Ungarn"},"content":{"rendered":"<div class=\"lead\">Zwischen Dezember 2024 und Februar 2025 wurden zehn Neugeborene mit Hirnsch\u00e4digung an der Semmelweis Universit\u00e4t in Budapest mit Muttermilch behandelt, die mithilfe einer speziellen Methode \u00fcber die Naseng\u00e4nge verabreicht wurde. Eine Studie zu diesem neuen und vielversprechenden Therapieansatz wurde k\u00fcrzlich in Pediatric Research, einer der renommiertesten wissenschaftlichen Fachzeitschriften im <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41390-026-04847-2\"><em>Nature<\/em><\/a>-Portfolio, ver\u00f6ffentlicht. Von dem Verfahren erhofft man sich, die Folgen von durch Sauerstoffmangel verursachten Hirnsch\u00e4digungen zu mildern; zudem k\u00f6nnte intranasal verabreichte Muttermilch langfristig auch in kontrollierten h\u00e4uslichen Umgebungen ein sicheres therapeutisches Mittel darstellen.<\/div>\n<p>Die hypoxisch-isch\u00e4mische Enzephalopathie (eine durch Sauerstoffmangel und gest\u00f6rte Durchblutung des Gehirns verursachte Hirnsch\u00e4digung) z\u00e4hlt zu den h\u00e4ufigsten Ursachen f\u00fcr die Sterblichkeit bei Neugeborenen sowie f\u00fcr langfristige neurologische Sch\u00e4den.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-40190\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236341_GV5A4546_scl-1-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236341_GV5A4546_scl-1-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236341_GV5A4546_scl-1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/>Derzeit werden solche F\u00e4lle mit therapeutischer Hypothermie behandelt, bei der die K\u00f6rpertemperatur der Neugeborenen auf 33\u201334 \u00b0C gesenkt wird. K\u00fcnftig k\u00f6nnte diese Behandlung durch eine intranasale Muttermilchtherapie erg\u00e4nzt werden. Frische Muttermilch enth\u00e4lt Substanzen (wie Stammzellen und neurotrophe Faktoren), die die Regeneration des Nervensystems unterst\u00fctzen; bei Verabreichung \u00fcber die Nase statt oral k\u00f6nnen diese Bestandteile das zentrale Nervensystem m\u00f6glicherweise effektiver erreichen. In ihrer in Pediatric Research ver\u00f6ffentlichten Studie untersuchten Dr. \u00dcn\u0151ke M\u00e9der, Assistenzprofessorin an der Klinik f\u00fcr Kinderheilkunde der Semmelweis-Universit\u00e4t, und Dr. Eszter Tarj\u00e1nyi, Assistenz\u00e4rztin an derselben Klinik, ob diese Form der Muttermilchtherapie sowohl unter klinischen Bedingungen als auch in kontrollierter h\u00e4uslicher Umgebung sicher angewendet werden kann.<\/p>\n<p>An der Studie nahmen Neugeborene mit mittelgradiger bis schwerer hypoxisch-isch\u00e4mischer Hirnsch\u00e4digung teil, die als Standardbehandlung eine therapeutische Hypothermie erhielten. Frisch abgepumpte Muttermilch der eigenen M\u00fctter wurde innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt unter klinisch \u00fcberwachten Bedingungen in die Naseng\u00e4nge verabreicht. Anschlie\u00dfend wurde die Therapie \u00fcber 28 Tage unter Mitwirkung entsprechend geschulter Eltern fortgesetzt, w\u00e4hrend der Zustand der S\u00e4uglinge kontinuierlich \u00fcberwacht wurde.<\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p>Die Untersuchung zeigte, dass die intranasale Muttermilchtherapie sicher ist; bei den untersuchten Neugeborenen traten keinerlei respiratorische, kardiovaskul\u00e4re oder neurologische Komplikationen auf.<\/p>\n<\/div>\n<p>Eine der gr\u00f6\u00dften Herausforderungen der Studie war nicht medizinischer, sondern logistischer und psychologischer Natur. \u201eDer Transport der Muttermilch und die Organisation der Versorgung geh\u00f6rten zu den schwierigsten Aufgaben. Es kam vor, dass ich zu einem Bauernhof in der N\u00e4he von Cegl\u00e9d [eine Stadt, die 80 Kilometer von Budapest entfernt liegt] fahren musste, um die Milch abzuholen \u2013 an einen Ort, zu dem selbst Taxifahrer nicht fahren wollten, weil es keine richtige Stra\u00dfe gab\u201c, sagte Dr. \u00dcn\u0151ke M\u00e9der. Ebenso entscheidend war die Unterst\u00fctzung von M\u00fcttern, die traumatische Erfahrungen gemacht hatten: Das Initiieren und Aufrechterhalten des Abpumpens erforderte erhebliche Hilfe.<\/p>\n<p>Laut Dr. Eszter Tarj\u00e1nyi erwies sich die Einbindung der Eltern letztlich als einfacher als erwartet: \u201eF\u00fcr viele Eltern war es sehr wichtig, dass sie in einer so schwierigen Situation etwas f\u00fcr ihr Kind tun konnten. \u201e Auch das Erlernen der Verabreichung der Muttermilch stellte kein gro\u00dfes Hindernis dar. \u201eSobald sie verstanden hatten, wie die Muttermilch zu verabreichen ist und dass dies f\u00fcr das Baby nicht schmerzhaft ist, konnten sie das Verfahren sicher anwenden\u201c, erg\u00e4nzte Dr. M\u00e9der.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-medium wp-image-40191\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236347_GV5A4627_scl-1-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236347_GV5A4627_scl-1-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2026\/04\/RS236347_GV5A4627_scl-1.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/p>\n<p>Die Autoren der Studie betonten, dass sich ihre Forschung ausschlie\u00dflich auf die Sicherheit der Verabreichungsmethode konzentrierte; die Wirksamkeit dieser Form der Muttermilchtherapie muss noch durch weitere Studien best\u00e4tigt werden. Bisher wurde das Thema in Tierversuchen sowie in Studien in Deutschland und Kanada an Fr\u00fchgeborenen mit Hirnblutungen untersucht. Diese Arbeiten deuten auf positive Effekte intranasal verabreichter Muttermilch auf das Nervensystem hin. Sollten weitere gro\u00df angelegte, kontrollierte Studien ebenfalls positive Ergebnisse liefern, k\u00f6nnte dieses Verfahren zu einer hervorragenden Therapie werden und in Entwicklungsl\u00e4ndern \u2013 wo eine K\u00fchlungstherapie nicht immer verf\u00fcgbar ist \u2013 sogar eine einfache und kosteng\u00fcnstige Alternative zur Behandlung neonataler Hirnsch\u00e4digungen darstellen. Aus einigen L\u00e4ndern gab es bereits Interesse an der Methode.<\/p>\n<p>Foto: Bogl\u00e1rka Zellei \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\nTitelbild: elements.envato.com\/yavdat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Intranasalen Muttermilchtherapie bei Neugeborenen mit Hirnverletzung.<\/p>\n","protected":false},"author":102620,"featured_media":40189,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78,70],"tags":[123,72],"class_list":["post-40186","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","category-x-fokuszban","tag-forschung-entwicklung-und-innovation","tag-presse"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/102620"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=40186"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":40200,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/40186\/revisions\/40200"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/40189"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=40186"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=40186"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=40186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}