{"id":36592,"date":"2024-04-30T08:59:37","date_gmt":"2024-04-30T06:59:37","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=36592"},"modified":"2024-04-30T08:59:37","modified_gmt":"2024-04-30T06:59:37","slug":"semmelweis-riechtherapie-kann-bestimmten-depressiven-patienten-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2024\/04\/30\/semmelweis-riechtherapie-kann-bestimmten-depressiven-patienten-helfen\/","title":{"rendered":"Semmelweis: Riechtherapie kann bestimmten depressiven Patienten helfen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Forscher der Semmelweis Universit\u00e4t haben einen Zusammenhang zwischen dem Geruchssinn und dem k\u00f6rpereigenen Abwehrsystem bei Depressionen nachgewiesen. Ihre Ergebnisse wurden k\u00fcrzlich in der <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41398-024-02867-2\">Zeitschrift <em>Translational Psychiatry<\/em><\/a> ver\u00f6ffentlicht. Angesichts der Tatsache, dass jedes Jahr weltweit mehr als 700 000 depressive Menschen Selbstmord begehen, wird es immer wichtiger, die Ursachen der Krankheit zu ergr\u00fcnden. Anhand von Daten aus der britischen UK Biobank haben die Forscher nun die Profile von mehr als 300 000 depressiven und gesunden M\u00e4nnern und Frauen analysiert, um herauszufinden, welche Gruppen ein h\u00f6heres Risiko haben, an einer Depression zu erkranken, und welche Genvarianten damit verbunden sind.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die ungarischen Forscher analysierten die Teilnehmer anhand von vier Variablen: Geschlecht, Neigung zu negativen Emotionen, K\u00f6rperfettanteil und Ausbildungsgrad. Insgesamt wurden die Daten von 174.572 Frauen und 149.879 M\u00e4nnern aus der britischen Biobank-Datenbank verglichen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dabei wurde festgestellt, dass ein hoher K\u00f6rperfettanteil und ein niedriger Bildungsstand die Gefahr von Depressionen bei beiden Geschlechtern erh\u00f6hen, wobei Frauen h\u00e4ufiger negative Emotionen (h\u00e4ufige \u00c4ngste, Niedergeschlagenheit, Wut) empfinden. Im Gegensatz dazu waren schlankere und besser gebildete Personen, die seltener negative Emotionen empfanden, weniger anf\u00e4llig f\u00fcr diese Krankheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden rund 280 Millionen Menschen, d. h. 5 % der erwachsenen Bev\u00f6lkerung, an Depressionen, und j\u00e4hrlich werden weltweit mehr als 700 000 Selbstmorde durch diese Krankheit verursacht. Depressionen sind eine &#8222;weit verbreitete und sehr belastende psychiatrische St\u00f6rung&#8220;, wobei Medikamente oft unwirksam sind, hei\u00dft es in der Studie. Deshalb bedarf es dringend der Identifizierung zuverl\u00e4ssiger Biomarker, die Untergruppen von Patienten mit unterschiedlichem Therapiebedarf charakterisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"keretes\">\n<p>Nach Angaben der WHO sind Depressionen bei Frauen um 50 Prozent h\u00e4ufiger als bei M\u00e4nnern.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Wir haben die oben genannten Variablen ausgesucht, weil sie bereits in der Fachliteratur mit der Entstehung von Depressionen in Verbindung gebracht wurden, aber sie wurden nicht zusammen untersucht&#8220; &#8211; sagte Dr. N\u00f3ra Eszl\u00e1ri, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Pharmakologie der Semmelweis Universit\u00e4t und Erstautorin der Studie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36590 alignright\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr-203x135.jpg 203w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/04\/RS193045_433A7140-scr.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>&#8222;Die meisten Untersuchungen betrachten die Behandlungsm\u00f6glichkeiten aus der Perspektive der bereits vorhandenen Symptome depressiver Patienten&#8220; &#8211; f\u00fcgte sie hinzu. &#8222;Unser Ziel war es, die aus der Allgemeinbev\u00f6lkerung rekrutierten Teilnehmer, darunter sowohl gesunde als auch depressive Menschen, nach Merkmalen zu gruppieren, welche ein Risiko f\u00fcr die Entstehung der Krankheit darstellen. Daher k\u00f6nnten unsere Ergebnisse auch f\u00fcr die Pr\u00e4vention der Erkrankung n\u00fctzlich sein&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Semmelweis-Forscher wollten auch herausfinden, ob es in den ermittelten Risikogruppen einen gemeinsamen genetischen Hintergrund f\u00fcr Depressionen gibt. Ein solcher Zusammenhang wurde nur bei Frauen, nicht aber bei M\u00e4nnern festgestellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bei Frauen in h\u00f6heren Risikogruppen (negative Emotionalit\u00e4t, hoher K\u00f6rperfettanteil, geringer Bildungsstand) wurden bestimmte Genvarianten des Immunsystems (z. B. rs526266 oder rs7530503) mit der Entwicklung einer Depression in Verbindung gebracht. Das hei\u00dft, wenn eine Frau dieser Risikogruppe auch die von den Forschern identifizierten Genvarianten tr\u00e4gt, besteht eine h\u00f6here Wahrscheinlichkeit, dass sich bei ihr eine Depression entwickeln kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und bei Frauen aus Risikogruppen wurde ein \u00e4hnlicher Zusammenhang zwischen bestimmten Genvarianten des Geruchsrezeptors (z. B. rs61957879) und der Depression festgestellt. Mit anderen Worten: Frauen, die seltener negative Emotionen erleben, einen geringen K\u00f6rperfettanteil haben, einen h\u00f6heren Bildungsgrad aufweisen und Tr\u00e4gerinnen bestimmter Genvarianten sind, die mit dem Geruch in Verbindung gebracht werden, haben auch ein h\u00f6heres Risiko, eine Depression zu entwickeln.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Seit l\u00e4ngerer Zeit ist bekannt, dass es eine wechselseitige Beziehung zwischen depressiven Symptomen und der Riechfunktion geben kann, und es gibt sogar Publikationen \u00fcber die Auswirkungen des so genannten Riechtrainings oder olfaktorisches Training. Die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich: Eine fr\u00fchere Studie ergab, dass die Riechtherapie bei depressiven Patienten unwirksam war; in anderen Studien wurden die Symptome bei Demenzpatienten und leicht depressiven \u00e4lteren Menschen besser. Unsere Ergebnisse k\u00f6nnten dazu beitragen, eine Untergruppe zu identifizieren, f\u00fcr die das Riechtraining n\u00fctzlich sein k\u00f6nnte, entweder zur Vorbeugung oder zur Behandlung des Entstehens einer Depression&#8220; &#8211; erkl\u00e4rte Dr. Eszl\u00e1ri.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach Ansicht der Semmelweis-Forscher besteht ein weiterer gro\u00dfer Vorteil ihrer aktuellen Studie darin, dass sie anstelle der \u00fcblichen biologischen (genetischen, bildgebenden, elektrophysiologischen) Merkmale die Patienten nach Merkmalen gruppiert haben, die sich leicht und relativ kosteng\u00fcnstig erfassen lie\u00dfen (Fragebogen, K\u00f6rperfettmessung), und in den auf diese Weise datengesteuert gebildeten spezifischen Gruppen den genetischen Hintergrund der Depression untersucht haben. Wenn andere Forscherteams bei anderen Samples zu \u00e4hnlichen Ergebnissen kommen, k\u00f6nnte dieser Ansatz die Ermittlung von Patientengruppen in Zukunft einfacher und kosteng\u00fcnstiger machen.<\/p>\n<p>Angelika Erd\u00e9lyi\u00a0<br \/>\nFoto: B\u00e1lint Barta; Featured image (Illustration): Attila Kov\u00e1cs \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\n\u00dcbersetzung: Judit Szlov\u00e1k<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Forscher der Semmelweis Universit\u00e4t haben einen Zusammenhang zwischen dem Geruchssinn und dem k\u00f6rpereigenen Abwehrsystem bei Depressionen nachgewiesen. Ihre Ergebnisse wurden k\u00fcrzlich in der <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41398-024-02867-2\">Zeitschrift Translational Psychiatry<\/a> ver\u00f6ffentlicht. 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