{"id":36362,"date":"2024-03-26T14:39:25","date_gmt":"2024-03-26T13:39:25","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=36362"},"modified":"2024-03-26T14:39:25","modified_gmt":"2024-03-26T13:39:25","slug":"in-der-haut-der-anderen-interkulturelles-gesundheitstraining-an-der-semmelweis-universitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2024\/03\/26\/in-der-haut-der-anderen-interkulturelles-gesundheitstraining-an-der-semmelweis-universitaet\/","title":{"rendered":"In der Haut der anderen: Interkulturelles Gesundheitstraining an der Semmelweis Universit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Ein Wahlfach am Institut f\u00fcr Verhaltenswissenschaften vermittelt den Studierenden interkulturelle Kompetenzen, die sie sowohl in ihrem k\u00fcnftigen Beruf als auch in der heutigen multikulturellen Umgebung gebrauchen k\u00f6nnen.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-36361 size-full\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr.jpg 1200w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188753_BB__3163-scr-203x135.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Blick aus dem 19. Stock des Theoretischen Blocks am Nagyv\u00e1rad t\u00e9r, in dem sich das Institut f\u00fcr Verhaltenswissenschaften befindet, erweckt den Eindruck von Ruhe. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um eine Mischung der Semmelweis-B\u00fcrger aus 115 L\u00e4ndern der Welt, die durch ihr Engagement f\u00fcr das Erlernen der heilenden Berufe vereint sind. Abgesehen davon k\u00f6nnen sie sich jedoch in einer oder allen der vom niederl\u00e4ndischen Sozialpsychologen Geert Hofstede identifizierten kulturellen Dimensionen voneinander unterscheiden.<\/p>\n<div class=\"keretes\">\n<p style=\"text-align: justify\">Eine weiterentwickelte Version des Modells der Kulturdimensionen von Hofstede (1980) zielt darauf ab, Kulturen entlang sechs Werteachsen zu beschreiben: Machtdistanz (d. h. die St\u00e4rke der sozialen Hierarchie), Individualismus &#8211; Kollektivismus, Unsicherheitsvermeidung, Leistungs- und Erfolgsmotivation, Langfristigkeit &#8211; Kurzfristigkeit, permissive oder restriktive Einstellungen (Freiheit, um W\u00fcnsche zu erf\u00fcllen), und wie diese Werte mit dem Verhalten zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">Der integrierte Kurs &#8222;Interkulturelle Gesundheit&#8220; wurde 2021 an der Semmelweis Universit\u00e4t ins Leben gerufen, um dem Bed\u00fcrfnis der Studierenden nach einer Plattform zu entsprechen, auf der internationale Studierende &#8211; die mehr als 50 Prozent der medizinischen und zahnmedizinischen Fakult\u00e4t ausmachen &#8211; durch Seminargruppenarbeit zwischenmenschliche Beziehungen zu anderen Studierenden aus englischen, deutschen und ungarischen Studieng\u00e4ngen aufbauen k\u00f6nnen. Der Organisator des Kurses, der Soziologe Bence D\u00f6br\u00f6ssy, suchte nach einem Instrument, um interkulturelle studentische Begegnungen zu erleichtern, die trotz bester Absichten leicht zu Missverst\u00e4ndnissen f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist repr\u00e4sentativ f\u00fcr die Fakult\u00e4ten, so dass es immer eine gro\u00dfe Freude ist, wenn zum Beispiel Studierende aus der Fakult\u00e4t f\u00fcr Gesundheitswissenschaften oder gr\u00f6\u00dfere Gruppen aus den deutschsprachigen Ausbildungsg\u00e4ngen dabei sind&#8220; &#8211; sagt Bence D\u00f6br\u00f6ssy, Assistenzprofessor. Obwohl der Kurs um ein einziges Thema herum aufgebaut ist, spiegelt der Schwerpunkt des Semesters den kulturellen Hintergrund und die Interessen der aktuellen Teilnehmer wider, sei es die Sportkultur, die alternative Medizin oder bestimmte Religionen. Ein solcher Kurs funktioniert am besten, wenn er eine Atmosph\u00e4re des &#8217;sicheren Ortes&#8216; schafft: Hier k\u00f6nnen heikle Themen diskutiert, Erfahrungen und Wissen in beide Richtungen ausgetauscht werden, und weniger extrovertierte Studierende k\u00f6nnen sich in Kleingruppen ihren Kommilitonen \u00f6ffnen&#8220; &#8211; sagt der Kursorganisator, der seit zwei Jahrzehnten interkulturelle Gesundheitskurse leitet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36360 alignright\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr-203x135.jpg 203w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188737_BB__3147-scr.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Die meisten Teilnehmer sind Studenten im zweiten oder dritten Studienjahr, so dass sie sich die notwendigen F\u00e4higkeiten aneignen k\u00f6nnen, bevor sie mit dem klinischen Teil des Studiums beginnen. Die Begegnung mit Patienten aus anderen Kulturen kann zu interkulturellen Dilemmas f\u00fchren, z. B. wie Patienten ihren Zustand als Krankheit betrachten. Erworbene Werte aus einem bestimmten kulturellen Hintergrund k\u00f6nnen die Bedeutung beeinflussen, die die Gesellschaft den Symptomen beimisst. Auch die Sprache, in der Beschwerden ge\u00e4u\u00dfert werden, kann sehr unterschiedlich sein: In manchen Kulturen scheut man sich nicht, seine Gef\u00fchle und Wahrnehmungen intensiv zu offenbaren, w\u00e4hrend andere erst dann medizinische Hilfe suchen, wenn sich ihr Zustand ernsthaft verschlimmert hat &#8211; diese erlernten Muster machen sie weder zu Hypochondern noch zu Masochisten. Lautes Reden im Wartezimmer mag von den einen als Heiterkeit, von den anderen als Devianz empfunden werden. Eine Gruppe von Verwandten, die den Patienten begleiten, an seinem Bett sitzen und f\u00fcr ihn sprechen, mag einem Arzt, der es gewohnt ist, w\u00e4hrend einer Untersuchung zu schweigen, ungew\u00f6hnlich erscheinen, aber f\u00fcr den Patienten kann dies ein Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit vermitteln. Einen Beamten mit seinem Vornamen anzusprechen, kann als indirekt oder sogar respektlos empfunden werden.<\/p>\n<div class=\"w-100 fontos_div\" style=\"text-align: justify\">Andere kulturelle Normen in Verbindung mit den Begriffen Schamgef\u00fchl, Selbstdarstellung, L\u00e4cheln und Kichern, Blickkontakt, k\u00f6rperliche Distanz, Zeit, Geschlecht, Alter, Glaube und Tod k\u00f6nnen eine Quelle potenziell kritischer Situationen sein.<\/div>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8222;Meine pers\u00f6nlichen Erfahrungen haben mich zu diesem Thema gef\u00fchrt. Als Sohn eines renommierten Onkologen bin ich in Ungarn, den Vereinigten Staaten und D\u00e4nemark in einem internationalen Umfeld aufgewachsen. Ich habe einen Abschluss in Soziologie von der University of Reading und einen Abschluss in Soziologie von der University of London. In den drei Jahren meines BA-Studiums bin ich nur ein einziges Mal mit einem anderen Ungarn zusammengetroffen. W\u00e4hrend meiner Mittelschulzeit in D\u00e4nemark habe ich 90 Mitsch\u00fcler aus 60 verschiedenen L\u00e4ndern gehabt. Daher war es f\u00fcr mich naheliegend, die Faktoren, die das menschliche Zusammenleben beeinflussen, zu erforschen und, was noch wichtiger ist, zu lehren&#8220; &#8211; erinnert sich Bence D\u00f6br\u00f6ssy an seine Motivation.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Einer der Hauptpfeiler des Kurses sind die Fallstudien, die oft auf den pers\u00f6nlichen Erfahrungen der Studierenden beruhen.<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Ziel ist es, dass sie sich durch das Kennenlernen von Kulturen und Glaubenssystemen, die sich von ihren eigenen unterscheiden, in die Lage anderer versetzen k\u00f6nnen. Aber so wichtig die Rolle der Kultur auch sein mag, warne ich meine Studierenden immer vor Stereotypisierungen und gebe ihnen daher nur ungern schematische L\u00f6sungen<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">&#8211; sagt Bence D\u00f6br\u00f6ssy.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-36359 alignleft\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-400x267.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"267\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr-203x135.jpg 203w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2024\/03\/RS188738_BB__3118-scr.jpg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/>Wichtiger als unbegrenztes Lehrbuchwissen ist die Denkweise, der die Kursteilnehmer ausgesetzt sind. Erstens werden sie f\u00fcr den kulturellen Pluralismus sensibilisiert, der durch die Globalisierung immer offensichtlicher wird. Zweitens werden sie mit zuverl\u00e4ssigen Informationsquellen vertraut gemacht, so dass sie in Zukunft in der Lage sein werden, die f\u00fcr das geografische Gebiet, in dem sie ihren Beruf aus\u00fcben, relevanten Kulturen zu studieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Da der Kurs betont, dass der kulturelle Pluralismus gesch\u00fctzt werden sollte, solange er nicht die Rechte anderer verletzt, ermutigen wir die k\u00fcnftigen Fachkr\u00e4fte im Gesundheitswesen, aufmerksam und offen zu sein, Fragen zu stellen, hinter Konzepte zu blicken und zu versuchen, die &#8218;Sprache&#8216; anderer Kulturen in einer Atmosph\u00e4re des Vertrauens zu verstehen und zu sprechen&#8220; &#8211; betonte der Assistenzprofessor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Shanti, eine ehemalige Teilnehmerin der Fortbildung aus S\u00fcdkorea, dr\u00fcckte es so aus: &#8222;Wir kommen aus einem Kaleidoskop kultureller Hintergr\u00fcnde, um als \u00c4rzte auf der ganzen Welt ausgebildet zu werden. Ein Arzt ist nicht nur eine Person, die roboterhaft auf die Symptome h\u00f6rt und die richtige Diagnose stellt, sondern jemand, der sinnvoll auf die gesundheitlichen Bed\u00fcrfnisse des Patienten eingeht. Dazu geh\u00f6rt auch das psychologische Gef\u00fchl des Patienten, dass man sich um ihn k\u00fcmmert.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Judit Szabados-D\u0151tsch<br \/>\nFoto: B\u00e1lint Barta, Attila Kov\u00e1cs \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\n\u00dcbersetzung: Judit Szlov\u00e1k<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Wahlfach am Institut f\u00fcr Verhaltenswissenschaften vermittelt den Studierenden interkulturelle Kompetenzen, die sie sowohl in ihrem k\u00fcnftigen Beruf als auch in der heutigen multikulturellen Umgebung gebrauchen k\u00f6nnen. Der Blick aus dem 19. Stock des Theoretischen Blocks am Nagyv\u00e1rad t\u00e9r, in dem sich das Institut f\u00fcr Verhaltenswissenschaften befindet, erweckt den Eindruck von Ruhe. In Wirklichkeit handelt &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":101423,"featured_media":36358,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78],"tags":[126],"class_list":["post-36362","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","tag-bildung"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36362","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/101423"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36362"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36362\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":36364,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36362\/revisions\/36364"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36358"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36362"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36362"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36362"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}