{"id":35219,"date":"2023-10-17T06:00:26","date_gmt":"2023-10-17T04:00:26","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=35219"},"modified":"2025-11-20T15:22:18","modified_gmt":"2025-11-20T14:22:18","slug":"millionen-von-fruehgeburten-koennten-durch-einen-einfachen-routineabstrich-verhindert-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2023\/10\/17\/millionen-von-fruehgeburten-koennten-durch-einen-einfachen-routineabstrich-verhindert-werden\/","title":{"rendered":"Millionen von Fr\u00fchgeburten k\u00f6nnten durch einen einfachen Routineabstrich verhindert werden"},"content":{"rendered":"<div class=\"lead\">Ein routinem\u00e4\u00dfiges Screening der Scheidenflora schwangerer Frauen kann das Risiko der Fr\u00fchgeburt, eine weit verbreitete Krankheit erheblich verringern. Dies ist das Ergebnis einer umfassenden Analyse von fast 150 000 Schwangerschaften durch Forscher der Semmelweis Universit\u00e4t. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden im Jahr 2020 weltweit 13,4 Millionen Babys vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren. Jedes Jahr k\u00f6nnen Hunderttausende von Fr\u00fchgeborenen nicht gerettet werden.<\/div>\n<p>Das Risiko der Fr\u00fchgeburten kann durch Screening auf eine abnormale Scheidenflora w\u00e4hrend der Schwangerschaft um durchschnittlich 29% gesenkt werden \u2013 <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-023-40993-x#ref-CR3\">erkl\u00e4ren Gyn\u00e4kologen der Semmelweis Universit\u00e4t in einer k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten wissenschaftlichen Arbeit in der Zeitschrift <em>Scientific Reports<\/em>.<\/a><\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p>Die ungarischen Forscher untersuchten 10 634 Studien und verglichen schlie\u00dflich die Daten von 13 dieser Studien in ihrer bisher umfangreichsten internationalen Analyse. Sie untersuchten 143 534 Geburten aus der ganzen Welt, darunter aus den Vereinigten Staaten von Amerika (USA), Europa und Indien. Sie untersuchten, ob ein routinem\u00e4\u00dfiges Screening auf eine abnormale Scheidenflora w\u00e4hrend der Schwangerschaft das Risiko der Fr\u00fchgeburten verringern k\u00f6nnte.<\/p>\n<\/div>\n<p>Die WHO definiert diese Kategorie als Geburten vor der 37. Schwangerschaftswoche. Im Jahr 2020 sind 4-16% der Babys zu fr\u00fch geboren, was bedeutet, dass im Durchschnitt eine von zehn Schwangerschaften mit einer Fr\u00fchgeburt endete. Fr\u00fchgeburten sind die h\u00e4ufigste Todesursache bei Kindern unter f\u00fcnf Jahren. Nach Angaben der WHO starben im Jahr 2019 900 000 Neugeborene daran. In Ungarn enden 8-9% der Geburten mit einer Fr\u00fchgeburt, was unter dem internationalen Durchschnitt liegt. Experten zufolge ist dies auf die traditionell strengere Schwangerenvorsorge in Ungarn zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-35239\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr.jpg\" alt=\"\" width=\"950\" height=\"633\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr.jpg 950w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS32176_KA-20150623-IMG_3445-scr-203x135.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 950px) 100vw, 950px\" \/><\/a><\/p>\n<blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 18pt\">Babys, die mit einem Gewicht von weniger als 1000 Gramm geboren werden, haben die geringsten \u00dcberlebenschancen und kommen in der Regel mit 28-30 Wochen zur Welt. Eine der wichtigsten Erkenntnisse unserer Analyse ist, dass ein einfacher Scheidenabstrich mit einem Abstrichbr\u00fcsten das Risiko einer Fr\u00fchgeburt um bis zu 67% senken kann, was klinisch sehr bedeutsam ist\u201d<\/span><\/p>\n<\/blockquote>\n<p>\u2013 sagt Dr. Eszter Hoffmann Assistenz\u00e4rztin an Klinik f\u00fcr Geburtshilfe und Frauenheilkunde der Semmelweis Universit\u00e4t und Erstautorin der Studie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p>Fr\u00fchgeburten k\u00f6nnen induziert, das hei\u00dft aus medizinischen Gr\u00fcnden herbeigef\u00fchrt, oder spontan sein. Letztere kann genetisch bedingt sein, durch Muttermundschw\u00e4che oder in 30-40% der F\u00e4lle durch eine Infektion verursacht werden.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS182260_433A9031-scr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-35223 alignright\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS182260_433A9031-scr-267x400.jpg\" alt=\"\" width=\"267\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS182260_433A9031-scr-267x400.jpg 267w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS182260_433A9031-scr.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 267px) 100vw, 267px\" \/><\/a>Von einer abnormalen Scheidenflora spricht man, wenn das Gleichgewicht zwischen guten und schlechten Bakterien in der Scheide aus irgendeinem Grund gest\u00f6rt ist, das hei\u00dft wenn der pH-Wert in dem als normal geltenden sauren Umfeld ansteigt und alkalisch wird. Dies kann durch viele Faktoren aufgel\u00f6st werden, z.B. durch Stress, Essen, Geschlechtsverkehr, einen Strandbesuch, eine Antibiotikakur oder sogar durch eine Schwangerschaft selbst. In einem alkalischen Milieu k\u00f6nnen sich sch\u00e4dliche Bakterien leichter ansiedeln und vermehren, und die so genannte bakterielle Vaginose (abnormale Ver\u00e4nderungen der Bakterienflora in der Scheide) kann zu Aufw\u00e4rtsinfektion, Verk\u00fcrzung der Geb\u00e4rmutterh\u00f6hle und schlie\u00dflich zu einer Fr\u00fchgeburt f\u00fchren.<\/p>\n<p>Zu den Symptomen einer solchen Infektion geh\u00f6ren riechender Ausfluss, Brennen und Schmerzen in der Scheide, aber die Patientinnen haben oft keine Symptome. In diesen F\u00e4llen kann ein Screening von Bedeutung sein.<\/p>\n<p>Nach einer Analyse von Forschern der Semmelweis Universit\u00e4t, die Daten von Schwangeren ohne Symptome verglichen, verringerte sich bei regelm\u00e4\u00dfiger Vorsorge das Risiko einer Geburt vor der 37. Woche um 29%. Das Risiko f\u00fcr ein sehr niedriges Geburtsgewicht unter 2500 Gramm verringerte sich um 36%, das Risiko f\u00fcr eine Fr\u00fchgeburt nach 32 Wochen um 49%, und die gr\u00f6\u00dfte Risikoreduzierung (67%) wurde bei einem Geburtsgewicht unter 1000 Gramm beobachtet. Aus den Ergebnissen schlie\u00dfen die Forscher, dass eine Fr\u00fchgeburt umso wahrscheinlicher auf eine Infektion zur\u00fcckzuf\u00fchren ist, je fr\u00fcher sie eintritt.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Statistiken sind nur Zahlen, aber jeder Verlust wird von einer Familie betrauert. Auch langfristige Komplikationen sind bei Fr\u00fchgeborenen h\u00e4ufig.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>In den schwersten F\u00e4llen kann es zu Netzhautabl\u00f6sung Atembeschwerden aufgrund der Unreife der Lunge, Schlaganf\u00e4llen und Sepsis kommen. Gl\u00fccklicherweise kann die Fr\u00fchgeborenenversorgung heute Wunder bewirken, aber die Vermeidung von Komplikationen ist immer noch sehr wichtig\u201d\u2013 erkl\u00e4rt Dr. Eszter Hoffmann.<\/p>\n<div class=\"keretes w-100\">\n<p>Eine fr\u00fcheren Studie zufolge k\u00f6nnen von jedem 46 EUR, der f\u00fcr die Untersuchung einer Mutter und die Behandlung einer m\u00f6glichen Infektion ausgegeben wird, 56,228 EUR dank der Verhinderung einer Fr\u00fchgeburt eingespart werden. (H. Kiss et. al., 2005.)<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS169356_GV5A3130-scr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-35224 alignleft\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS169356_GV5A3130-scr-285x400.jpg\" alt=\"\" width=\"285\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS169356_GV5A3130-scr-285x400.jpg 285w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/10\/RS169356_GV5A3130-scr.jpg 642w\" sizes=\"auto, (max-width: 285px) 100vw, 285px\" \/><\/a>\u201eScheidenabstriche sind derzeit nicht Teil des Protokolls f\u00fcr die Schwangerenvorsorge, und ihre Rolle wird in wissenschaftlichen Kreisen st\u00e4ndig diskutiert. Mehrere fr\u00fchere Studien in Europa sind zu dem Ergebnis gekommen, dass ein Screening auf abnormale Scheidenflora das Risiko einer Fr\u00fchgeburt verringern kann, aber mehrere amerikanische Berufsorganisationen sehen dies noch nicht als erweisen an. Die Ergebnisse unserer Mega-Analyse deuten darauf hin, dass ein routinem\u00e4\u00dfiges Screening (z.B. Gram-F\u00e4rbemethode, pH-Wert-Screening oder eine Kombination davon), das einfach und kosteng\u00fcnstig ist, das Risiko einer Fr\u00fchgeburt verringern kann\u201d<span style=\"font-size: 1rem\">\u2013 erkl\u00e4rt Dr. N\u00e1ndor \u00c1cs Direktor der Klinik f\u00fcr Geburtshilfe und Frauenheilkunde der Semmelweis Universit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p>Es gibt verschiedene M\u00f6glichkeiten zur Behandlung der bakteriellen Vaginose, z.B. eine Antibiotika- oder Probiotikakur.<\/p>\n<p>In ihrer n\u00e4chsten Studie werden die ungarischen Forscher die Wirksamkeit der verschiedenen Behandlungen und den genetischen Hintergrund der Fr\u00fchgeburten untersuchen.<\/p>\n<p>Angelika Erd\u00e9lyi<br \/>\nFoto: Attila Kov\u00e1cs, B\u00e1lint Barta \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\n\u00dcbersetzung: Patr\u00edcia Hellinger\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein routinem\u00e4\u00dfiges Screening der Scheidenflora schwangerer Frauen kann das Risiko der Fr\u00fchgeburt, eine weit verbreitete Krankheit erheblich verringern. 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