{"id":33762,"date":"2023-03-01T12:11:26","date_gmt":"2023-03-01T11:11:26","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=33762"},"modified":"2025-11-20T15:10:08","modified_gmt":"2025-11-20T14:10:08","slug":"grippe-im-ersten-trimester-kann-das-risiko-fuer-bestimmte-geburtsfehler-deutlich-erhoehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2023\/03\/01\/grippe-im-ersten-trimester-kann-das-risiko-fuer-bestimmte-geburtsfehler-deutlich-erhoehen\/","title":{"rendered":"Grippe im ersten Trimester kann das Risiko f\u00fcr bestimmte Geburtsfehler deutlich erh\u00f6hen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nach Angaben von Forschern der Semmelweis Universit\u00e4t kann das Risiko von Entwicklungsst\u00f6rungen bei F\u00f6ten, deren M\u00fctter in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft an Grippe erkranken, im Durchschnitt um 50 Prozent h\u00f6her sein. Den Experten zufolge ist es daher besonders wichtig, sich sowohl vor der geplanten Schwangerschaft als auch danach w\u00e4hrend den 9 Monaten gegen Grippe impfen zu lassen. Es handelt sich um die erste Studie weltweit, die sich ausschlie\u00dflich auf Grippekomplikationen im ersten Trimester konzentriert.<\/strong><\/p>\n<p>Zu den h\u00e4ufigsten nicht genetisch bedingten Anomalien geh\u00f6ren Neuralrohrdefekte (offene Wirbels\u00e4ule und andere Hirnentwicklungsst\u00f6rungen), vordere Lippen- und Gaumenspalten sowie angeborene Herzfehler.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-33761\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/03\/RS169363_3P1A7796-scr-267x400-1.jpg\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"360\" \/>Die Wissenschaftler untersuchten mehr als zehntausend ungarische und internationale Studien, von denen sie schlie\u00dflich die Daten von 14, zwischen 1964 und November 2022 ver\u00f6ffentlichten Artikeln miteinander verglichen. Ihre zusammenfassende Analyse, die erste weltweit, die sich ausschlie\u00dflich auf Grippekomplikationen im ersten Trimester konzentriert, wurde k\u00fcrzlich <a href=\"https:\/\/www.mdpi.com\/1999-4915\/14\/12\/2708\">in der Fachzeitschrift Viruses<\/a> ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Dr. \u00c1kos M\u00e1trai, Facharzt der Klinik f\u00fcr Geburtshilfe und Frauenheilkunde sagte wie folgt:<\/p>\n<p>&#8222;Schwangerschaftskomplikationen, die durch Virusinfektionen verursacht werden, sind in den letzten Jahren durch die Coronavirus-Epidemie ins Rampenlicht ger\u00fcckt, und es ist m\u00f6glich, dass wir in Zukunft mit einer \u00e4hnlichen Pandemie konfrontiert werden k\u00f6nnten. In unserer Analyse haben wir die Antwort auf die Frage gesucht, welche Risiken die Grippe, eine der h\u00e4ufigsten Virusinfektionen, f\u00fcr schwangere Frauen und ihre F\u00f6ten birgt, wenn sie ihr im ersten Trimester der Schwangerschaft ausgesetzt sind. Dieser Zeitraum ist besonders wichtig, da sich in dieser Zeit die Organe des F\u00f6tus herausbilden.\u201c<\/p>\n<p>Es wurden die Daten von insgesamt 85\u00a0855 Geburten bei Frauen im Alter von 20-45 Jahren miteinander verglichen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass das Gesamtrisiko f\u00fcr Geburtsfehler im Vergleich zu einer gesunden Schwangerschaft um 50 % (das Eineinhalbfache) steigen kann, wenn die Mutter in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft an Grippe erkrankt.<\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p>Dazu geh\u00f6rt ein durchschnittlich 148 % (2,48-fach) h\u00f6heres Risiko f\u00fcr die Entwicklung sogenannter Neuralrohrdefekte, die besonders wichtig sind, weil sie zu den h\u00e4ufigsten Ursachen genetischer Fehlgeburten geh\u00f6ren.<\/p>\n<\/div>\n<p>Im Durchschnitt kann das Risiko, dass sich eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte entwickelt, ebenfalls um das 2,48-fache ansteigen.\u00a0 Bei Kindern, die mit einer Gaumenspalte geboren werden, treten h\u00e4ufig F\u00fctterst\u00f6rungen, H\u00f6rverlust und Sprechschwierigkeiten auf.<\/p>\n<p>Bei der dritten gro\u00dfen Gruppe, den angeborenen Herzfehlern, kann sich das Risiko um durchschnittlich 63 % (1,63-fach) erh\u00f6hen. Innerhalb dieser Gruppe kann das Risiko der Herausbildung einer Aortenisthmusstenose (aorta coarctatio), durch einen grippalen Infekt im ersten Trimester der Schwangerschaft bis zum Vierfachen ansteigen.<\/p>\n<p>In den analysierten Studien wurde auch dar\u00fcber berichtet, dass das Risiko f\u00fcr die Entwicklung von Gliedma\u00dfen- und Augenanomalien ebenfalls h\u00f6her sein kann.<\/p>\n<p>Dr. N\u00e1ndor \u00c1cs, Direktor der Klinik f\u00fcr Geburtshilfe und Frauenheilkunde an der Semmelweis Universit\u00e4t f\u00fcgte hinzu, dass die Bedeutung der Pr\u00e4vention nicht oft genug betont werden kann.<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, dass eine Grippeinfektion im ersten Trimester mit schwerwiegenden Komplikationen verbunden sein kann, da dies der kritischste Zeitraum f\u00fcr die Entwicklung des F\u00f6tus ist. Wir empfehlen daher, dass sich alle Frauen, die ein Kind planen und bereits schwanger sind, gegen Grippe impfen lassen sollten.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-33760\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2023\/03\/RS169354_GV5A3115-scr-400x258-1.jpg\" alt=\"\" width=\"380\" height=\"245\" \/>Die bisherigen Beobachtungen deuten darauf hin, dass nicht das Virus selbst, sondern das Fieber zu Komplikationen f\u00fchren kann. Sollte man sich w\u00e4hrend der Schwangerschaft infizieren, empfehlen Experten eine sorgf\u00e4ltige Fieberkontrolle und regelm\u00e4\u00dfige Ultraschalluntersuchungen des F\u00f6tus. Fr\u00fchere Untersuchungen haben au\u00dferdem gezeigt, dass durch die Einnahme von Fols\u00e4ure und Vitaminen die Anomalien vorgebeugt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<div class=\"keretes\">\n<p>Laut Sch\u00e4tzung sind 3-5 % der Schwangerschaften von irgendeiner Art von Geburtsfehler betroffen, was f\u00fcr 20-25 % der Todesf\u00e4lle bei Neugeborenen verantwortlich ist.*<\/p>\n<\/div>\n<p>Nach Angaben des Centers for Disease Control and Prevention erkranken jedes Jahr 39-51 Millionen Menschen an der Grippe A, B oder C, meist in dem Zeitraum von Dezember bis M\u00e4rz. In Ungarn liegt die Zahl der Erkrankten nach Angaben des Statistikamtes bei 400.000. Die Inkubationszeit des Virus betr\u00e4gt etwa 48 Stunden, und die Genesung dauert in der Regel 3-7 Tage, wobei es bei manchen Patienten zu einer Sekund\u00e4rinfektion kommen kann. Bei schwangeren Frauen kann dies zu Komplikationen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Forscherteam der Semmelweis Universit\u00e4t arbeitet derzeit auch an einem eigenen umfangreichen Forschungsprojekt. Sie suchen ebenfalls nach Antworten auf die Frage, inwieweit die Influenza im ersten Trimester Geburtsfehler beeinflussen kann, indem sie die Angaben des weltweit einzigartigen sogenannten Nationalen Registers f\u00fcr angeborene Fehlbildungen analysieren. Diese Datenbank enth\u00e4lt detaillierte Daten zu fast 90.000 Geburten in Ungarn zwischen 1980 und 2009, und die bisherigen Ergebnisse unterst\u00fctzen die Schlussfolgerungen der internationalen zusammenfassenden Analyse.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen von Grippeinfektionen auf die Schwangerschaft spalten seit langem die wissenschaftliche Fachwelt. Einige fr\u00fchere Studien haben beispielsweise keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Viruserkrankung und angeborenen Fehlbildungen festgestellt. Die vorliegende Analyse zeigt, dass eine Mutter, die im ersten Trimester an Grippe erkrankt, mit gr\u00f6\u00dferer Wahrscheinlichkeit ein Kind mit einer nicht genetisch bedingten Fehlbildung zur Welt bringen kann.<\/p>\n<p>*Etiology and clinical presentation of birth defects: population-based study. AUFeldkamp ML. 2017;357: j2249. Epub 2017 May 30.<\/p>\n<p>\nAngelika Erd\u00e9lyi<br \/>\nFoto: Attila Kov\u00e1cs, B\u00e1lint Barta \u2013 Semmelweis Universit\u00e4t<br \/>\nTitelbild: Envato\/valeriygoncharukphoto<br \/>\n\u00dcbersetzung: Judit Szlov\u00e1k<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Angaben von Forschern der Semmelweis Universit\u00e4t kann das Risiko von Entwicklungsst\u00f6rungen bei F\u00f6ten, deren M\u00fctter in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft an Grippe erkranken, im Durchschnitt um 50 Prozent h\u00f6her sein. Den Experten zufolge ist es daher besonders wichtig, sich sowohl vor der geplanten Schwangerschaft als auch danach w\u00e4hrend den 9 Monaten gegen &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":101423,"featured_media":33759,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[78],"tags":[85,41,72],"class_list":["post-33762","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aktuelles","tag-forschung","tag-humanmedizin","tag-presse"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33762","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/101423"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=33762"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33762\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39611,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/33762\/revisions\/39611"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/33759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=33762"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=33762"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=33762"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}