{"id":32325,"date":"2022-09-28T08:13:02","date_gmt":"2022-09-28T06:13:02","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/?p=32325"},"modified":"2025-11-28T08:43:33","modified_gmt":"2025-11-28T07:43:33","slug":"botox-behandlung-kann-auch-bei-der-gefuehlssteuerung-helfen-zeigt-eine-neue-klinische-studie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2022\/09\/28\/botox-behandlung-kann-auch-bei-der-gefuehlssteuerung-helfen-zeigt-eine-neue-klinische-studie\/","title":{"rendered":"Botox-Behandlung kann auch bei der Gef\u00fchlssteuerung helfen, zeigt eine neue klinische Studie"},"content":{"rendered":"<div class=\"lead\">Botulinumtoxin (BTX), das in die Stirn injiziert wird, kann bei der Behandlung einiger psychischer Erkrankungen helfen, daf\u00fcr sprechen Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts von Semmelweis und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Laut einer <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-022-17509-0\">in der Fachzeitschrift Scientific Reports ver\u00f6ffentlichten Studie<\/a> wiesen Frauen mit Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung, die im Rahmen der Studie mit BTX\u00a0 behandelt wurden, eine verringerte Aktivit\u00e4t in dem Bereich des Gehirns auf, der f\u00fcr die Verarbeitung negativer Gef\u00fchle zust\u00e4ndig ist. Die neuen Ergebnisse stehen im Einklang mit fr\u00fcheren Forschungsergebnissen, die zeigen, dass BTX auch bei der Behandlung von psychischen Problemen wie Depressionen und Angstst\u00f6rungen n\u00fctzlich sein kann.<\/div>\n<p>ForscherInnen des Asklepios Campus Hamburg, der deutschen Niederlassung der Semmelweis Universit\u00e4t und der MHH untersuchten, wie Botulinumtoxin (BTX oder wie viele Menschen es kennen Botox), das in die Muskeln der Stirn injiziert wird, die Verarbeitung emotionaler Reize und impulsives Verhalten beeinflussen kann.<\/p>\n<p>An der Studie nahmen 45 Frauen mit Borderline-Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung (BPD) teil, einer Erkrankung, die mit instabilen Emotionen, Impulsivit\u00e4t und Schwierigkeiten in der Gestaltung von zwischenmenschlichen Beziehungen. Die PatientInnen erleben st\u00e4rker als der Durchschnitt negative Emotionen wie Wut oder Angst.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-32344\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4.jpg\" alt=\"\" width=\"1200\" height=\"800\" srcset=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4.jpg 1200w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4-400x267.jpg 400w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4-768x512.jpg 768w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4-753x502.jpg 753w, https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160868_iStock-1188594622-scr-4-203x135.jpg 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><\/a>Eine Gruppe von Studienteilnehmerinnen erhielt BTX-Injektionen, die anderen erhielten Akupunktur. Vor der Behandlung und vier Wochen sp\u00e4ter wurde den Teilnehmerinnen eine so genannte emotionale Go\/No-Go-Aufgabe gestellt, bei der sie ihre Reaktionen auf bestimmte Hinweise kontrollieren mussten, w\u00e4hrend ihnen Bilder von Gesichtern mit verschiedenen emotionalen Ausdr\u00fccken auf einem Computerbildschirm pr\u00e4sentiert wurden \u2013 dabei scannten die Forscher ihre Gehirne mit funktioneller Kernspintomographie (fMRT).<\/p>\n<p>&#8222;Auf der Grundlage fr\u00fcherer Forschungen stellten wir die Hypothese auf, dass die Entspannung der Stirnmuskeln mit BTX-Injektionen eine R\u00fcckkopplungsschleife zwischen dem Gesicht und dem Gehirn unterbrechen und damit negative Emotionen reduzieren w\u00fcrde&#8220;, erkl\u00e4rte Dr. Axel Wollmer, Forscher und Dozent am Asklepios Campus Hamburg der Semmelweis Universit\u00e4t. Der korrespondierende Autor der Studie f\u00fcgte hinzu:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Die fMRT-Scans zeigten, dass die mit BTX-Injektionen behandelten PatientInnen eine verringerte Aktivit\u00e4t in der Amygdala-Region des Gehirns aufwiesen, die f\u00fcr die Verarbeitung negativer Emotionen verantwortlich ist.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Die BTX-Studien des Forscherteams bezieht sich auf die von William James und Charles Darwin im 19. Jahrhundert formulierte \u00a0\u201efacial feedback\u201c Hypothese: Negative Emotionen werden, erkennbar an den sogenannten Zornesfalten \u00fcber der Nasenwurzel, durch Anspannung der Muskeln im unteren\u00a0 Bereich der Stirn, zwischen den Augenbrauen, zum Ausdruck gebracht. R\u00fcckmeldungen \u00fcber den Spannungszustand der Muskeln, die aus dem Gesicht an das Gehirn geschickt werden verst\u00e4rken die ausgedr\u00fcckten Emotionen \u00a0Die Injektion von BTX in diesem Bereich entspannt die Muskeln und unterbricht so die R\u00fcckkopplungsschleife. Negative Emotionen weniger stark empfunden. Dadurch k\u00f6nnen sich die Symptome einer psychischen St\u00f6rung, z.B. einer Depression bessern \u2013 erkl\u00e4rt Dr. Axel Wollmer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160867_Foto-Axel-Wollmer-scr-286x400-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft wp-image-32346 size-full\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/files\/2022\/09\/RS160867_Foto-Axel-Wollmer-scr-286x400-1.jpg\" alt=\"\" width=\"286\" height=\"400\" \/><\/a>Fr\u00fchere Forschungen lassen jedoch vermuten, dass \u00e4hnliche R\u00fcckkopplungsprozess zwischen Muskeln und Gehirn auch in anderen K\u00f6rperregionen stattfindet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-021-03713-x\">In einer Studie aus dem Jahr 2021<\/a> fanden die Forscher in Zusammenarbeit mit der University of California San Diego heraus, dass Botulinumtoxin auch gegen Angstst\u00f6rungen helfen k\u00f6nntekann. Die Datenbank der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) analysierte die Feedbacks von 40.000 PatientInnen, die eine BTX-Behandlung erhalten hatten, und konzentrierte sich dabei auf die positiven Nebenwirkungen. Hier erhielten die PatientInnen Botulinumtoxin nicht nur zu kosmetischen Zwecken und nicht nur in der Stirnmuskulatur, sondern auch zur Behandlung anderer Erkrankungen \u2013\u00a0 beispielsweise in die Kopfmuskeln bei Migr\u00e4ne, in die oberen und unteren Gliedma\u00dfen bei Kr\u00e4mpfen oder in die Nackenmuskeln bei Nackensteife. Die Forscher fanden heraus, dass Angstst\u00f6rungen bei diesen PatientInnen um 22-72 Prozent seltener auftraten als bei PatientInnen, die mit anderen Therapien als Botulinumtoxin f\u00fcr \u00e4hnliche Erkrankungen behandelt wurden.<\/p>\n<div class=\"fontos_div\">\n<p>Sie folgerten, dass entweder die Nerven in den mit BTX behandelten Muskelgruppen mit dem Gehirn in Form einer R\u00fcckkoppelung kommunizieren oder dass das Botulinumtoxin irgendwie in das zentrale Nervensystem gelangt.<\/p>\n<\/div>\n<p><a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41598-020-69773-7\">Dieselbe Datenbank analysierten sie bereits im Jahr 2020 <\/a>, um die m\u00f6gliche antidepressive Wirkung von BTX-Injektionen zu untersuchen. Sie fanden, dass BTX nicht nur wie bereits zuvor in klinischen Studien gezeigt zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden kann, sondern dass es auch vor der Entwicklung von Depressionen sch\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>&#8222;Nach Sch\u00e4tzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden weltweit rund 280 Millionen Menschen an Depressionen. Klassische Behandlungsmethoden wie Psychotherapie oder antidepressive Medikamente sind bei etwa einem Drittel der behandelten PatientInnen nur teilweise wirksam, also m\u00fcssen neue Methoden entwickelt werden, und hier k\u00f6nnte Botulinumtoxin-Injektion eine Rolle spielen&#8220; \u2013 erkl\u00e4rt Dr. Wollmer.<\/p>\n<div class=\"w-100 keretes\">Der Asklepios Campus Hamburg (ACH) ist ein 2008 gegr\u00fcndetes externes Ausbildungszentrum der Medizinischen Fakult\u00e4t der Semmelweis Universit\u00e4t, Budapest. Nach den ersten beiden Jahren der theoretischen Ausbildung k\u00f6nnen die deutschsprachigen StudentInnen der Universit\u00e4t ab dem dritten Jahr ihr Studium an der ACH in Hamburg fortsetzen. Im Sommer 2022 erhielten 54 StudentInnen ihre Diplome in Hamburg. Einschlie\u00dflich derjenigen, die ihren Abschluss in Ungarn machten, absolvierten im Studienjahr 2021\/2022 insgesamt 187 Medizin- und Zahnmedizin StudentInnen im deutschsprachigen Studiengang der Universit\u00e4t.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angelika Erd\u00e9lyi, Eszter Kov\u00e1cs<br \/>\n\u00dcbersetzung: \u00c1gnes Barta<br \/>\nFoto: Titelbild und Beitragsbild: iS<span data-olk-copy-source=\"MessageBody\">tock by Getty Images<\/span>\/Ihor Bulyhin<br \/>\nPortr\u00e4t: Dr. Axel Wollmer \u2013 Asklepios Campus Hamburg, Semmelweis Universit\u00e4t<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Botulinumtoxin (BTX), das in die Stirn injiziert wird, kann bei der Behandlung einiger psychischer Erkrankungen helfen, daf\u00fcr sprechen Ergebnisse eines gemeinsamen Forschungsprojekts von Semmelweis und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). 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