{"id":32002,"date":"2020-09-21T12:35:58","date_gmt":"2020-09-21T10:35:58","guid":{"rendered":"https:\/\/semmelweis.hu\/nki\/?p=6994"},"modified":"2020-09-21T12:35:58","modified_gmt":"2020-09-21T10:35:58","slug":"das-coronavirus-kann-elastischer-und-widerstandsfaehiger-sein-wie-frueher-gedacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/semmelweis.hu\/deutsch\/2020\/09\/21\/das-coronavirus-kann-elastischer-und-widerstandsfaehiger-sein-wie-frueher-gedacht\/","title":{"rendered":"Das Coronavirus kann elastischer und widerstandsf\u00e4higer sein, wie fr\u00fcher gedacht"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\"><strong>Die Wissenschaftler der Semmelweis Universit\u00e4t geh\u00f6ren zu den ersten Forschern, die die Struktur des aktiven infektionsf\u00e4higen Coronavirus untersuchen. Laut ihrer Ergebnisse sind\u00a0 seine kronenartigen Stachel auf der Oberfl\u00e4che besonders beweglich, das Virus selbst ist selbstheilend, und kann einer der elastischsten, \u00a0vom Menschen bekannten biologischen Organismus sein. Die Untersuchungen bewiesen, dass das Coronavirus leicht zusammenzudr\u00fccken ist,\u00a0 aber es kann seine Form wie ein Gummiball wiedererlangen, und die physikalischen Einwirkungen k\u00f6nnen ihre Struktur nicht verletzen. Dies kann zu seiner ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen Infektionsf\u00e4higkeit beitragen.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Im letzten halben Jahr erfuhr man immer mehr \u00fcber das neuartige Coronavirus (SARS-CoV-2), es gibt aber immer noch viele Fragezeichen bez\u00fcglich ihrem Funktionieren und ihrer Eigenschaften. Durch die Untersuchung des Virus konnten die Wissenschaftler der Semmelweis Universit\u00e4t einen Schritt zum Kennenlernen des Organismus n\u00e4her kommen: die von Dr. Mikl\u00f3s Kellermayer, Dekan des Fakult\u00e4t f\u00fcr Medizin der Semmelweis Universit\u00e4t geleitete Arbeitsgruppe untersuchte mit den Wissenschaftlern des Nationalen Sicherheitslaboratorium des Nationalen Volksgesundheitszentrums die Struktur des Coronavirus. Sie untersuchten die Oberfl\u00e4che der SARS-COV-2-Partikel \u00a0durch eine besondere Technik &#8211; mit Hilfe eines Rastersondenmikroskop. Sie konnten beweisen, dass der Organismus besonders widerstandf\u00e4hig ist, und er kann leicht zusammengedr\u00fcckt werden, erlangt aber ihre Form wie ein Gummiball leicht wieder, und die physikalischen Einwirkungen k\u00f6nnen weder seine Struktur noch seinen Inhalt verletzen. Laut Dr. Mikl\u00f3s Kellermayer k\u00f6nnen die mechanischen und selbstheilenden Eigenschaften des Virus zu seiner gro\u00dfen Anpassungsf\u00e4higkeit an die Umweltbedingungen beitragen, die seine ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Infektionsf\u00e4higkeit verursachen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/nki\/files\/2020\/09\/Sajto\u0301_compile_00-1536x742-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-6992 size-full\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/nki\/files\/2020\/09\/Sajto\u0301_compile_00-1536x742-1.png\" alt=\"\" width=\"1536\" height=\"742\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Untersuchungen der Wissenschaftler der Semmelweis Universit\u00e4t sind auch aus dem Grund einzigartig, weil die bisherigen Tests\u00a0 auf chemisch behandelten oder gefrorenen Mustern gemacht wurden. Dr. Mikl\u00f3s Kellermayer und seine Arbeitsgruppe untersuchte aber aktive und infektionsf\u00e4higes Coronaviren. Diese Tests konnten mit Hilfe des zur Untersuchung ausgearbeiteten Protokolls durch die Anwendung eines Rastersondenmikroskop (AFM) gemacht werden. Das \u00a0Ger\u00e4t der Semmelweis Universit\u00e4t wird zur Untersuchung der topographischen Struktur und der nanomechanischen Eigenschaften der Atome, Molek\u00fcle und Zellen angewendet \u2013 f\u00fcr die Anwendung dieser Methode erhielten Gerd Binnig und Heinrich Rohrer den Nobelpreis im Jahre 1986. Nach Meinung des Dekans der Fakult\u00e4t f\u00fcr Medizin der Semmelweis Universit\u00e4t ist der AFM das einzige Ger\u00e4t, das f\u00e4hig ist, \u00fcber native Erreger Bilder in Gro\u00dfaufl\u00f6sung zu machen \u2013 bei Anwendung dieses Ger\u00e4ts ist ja im Gegensatz zu einem Elektronenmikroskop das Fixieren oder Einfrieren des Musters nicht n\u00f6tig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die ungarische Forschungsgruppe stach das SARS-CoV-2-Partikel von ca. 80 Nanometern mit einer noch kleineren Nadel an. Die Spitze der Nadel wurde von Oberfl\u00e4che bis zum Grund gedr\u00fcckt, davon dr\u00fcckte sich das Partikel zusammen und nach der Entfernung der Nadel erhielt es seine Form wieder zur\u00fcck. Dies wurde auf dem gleichen Organismus hundertmal wiederholt, das Virus blieb aber beinahe unverletzt. Dadurch wurde bewiesen, dass das SARS-CoV-2 \u00a0einer des physikalisch elastischsten und widerstandsf\u00e4higsten \u00a0&#8211; vom Mensch bekannten &#8211; biologischen Organismus sein kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/semmelweis.hu\/nki\/files\/2020\/09\/kellerm.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-6993 size-medium alignright\" src=\"https:\/\/semmelweis.hu\/nki\/files\/2020\/09\/kellerm-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a>Die Wissenschaftler der Semmelweis Universit\u00e4t und des Nationalen Sicherheitslaboratoriums des Nationalen Volksgesundheitszentrums untersuchten auch die anderen Eigenschaften des Organismus. Die Viren werden nach Verlassen der Wirtzelle meistens verletzbar, das SARS-CoV-2 bleibt aber auf der Oberfl\u00e4che der Gegenst\u00e4nde festgeklebt l\u00e4ngere Zeit infektionsf\u00e4hig \u2013 laut Forschungen kann dazu die Elastizit\u00e4t der kronenartigen Stacheln auch beitragen. Bei den fr\u00fcheren Forschungen gab es Unterschiede, wieviel solche kronenartigen Stacheln die Au\u00dfenfl\u00e4che des Virus bedecken. Laut Studie der Cambridge Universit\u00e4t sind es etwa 24 St\u00fcck, laut Max Planck Institute in Deutschland 40 St\u00fcck \u2013 der von den ungarischen Wissenschaftlern untersuchte Organismus hatte 61 Stacheln. Nach Meinung von Dr. Mikl\u00f3s Kellermayer ist es ein weiterer Beweis f\u00fcr die gr\u00f6\u00dfere Variabilit\u00e4t der Virusstruktur, wie man es fr\u00fcher dachte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In ihrer Untersuchung wurden die Proteine der Stacheln auch physikalisch untersucht: die kronenartigen Bestandteile schwenkten sich wegen physikalischer Einwirkung der Nadel mit solcher hohen Frequenz aus, dass der Rastersondenmikroskop (AFM), der pro Sekunde 300 Aufnahmen machen kann, nur unscharfe Bilder dar\u00fcber machen konnte. Laut Forscher kann diese Hochgeschwindigkeits-Bewegung dazu beitragen, dass das Virus die Wirtzellen leichter findet und sich damit schneller verketten kann. Weiterhin wurde der W\u00e4rmewiderstand des SARS-CoV-2 getestet: aufgrund dieser Tests verhielt sich das Virus auch hier einzigartig. Nach zehnmin\u00fctigen Hitzeeinwirkung von 90 Grad Celsius verlor das Virus &#8211; in einzigartiger Weise \u2013 nur wenige Stacheln, seine Struktur blieb unverletzt. Dies k\u00f6nnte auch die Erkl\u00e4rung daf\u00fcr sein, warum das Virus auch in tropischen L\u00e4ndern oder in Sommerzeit infektionsf\u00e4hig bleiben kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u00c1d\u00e1m Szab\u00f3<br \/>\nPhoto: Zolt\u00e1n Tuba<br \/>\nIllustration: Publikation auf bioRxiv<br \/>\n\u00dcbersetzung: Judit Szlov\u00e1k<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wissenschaftler der Semmelweis Universit\u00e4t geh\u00f6ren zu den ersten Forschern, die die Struktur des aktiven infektionsf\u00e4higen Coronavirus untersuchen. Laut ihrer Ergebnisse sind\u00a0 seine kronenartigen Stachel auf der Oberfl\u00e4che besonders beweglich, das Virus selbst ist selbstheilend, und kann einer der elastischsten, \u00a0vom Menschen bekannten biologischen Organismus sein. 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